NSU-Prozess Wie dicht war Verfassungsschutz dem Trio auf der Spur?

Der Verfassungsschutz war offenbar wenige Monate nach dem Abtauchen des NSU-Trios im Januar 1998 dicht auf der Spur der drei. Hintergrund für diesen Schluss ist eine Aussage des sächsischen Verfassungsschutzpräsidenten, Gordian Meyer-Plath, vor dem Oberlandesgericht in München vom Mittwoch. Der Verfassungsschützer, der 1998 für die Behörde in Brandenburg arbeitete, hatte damals fünf Berichte eines V-Mannes erhalten, in denen es um das Trio von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe ging.  

V-Mann-Infos ging in den Behörden offenbar unter

Demnach hätten die drei darüber gesprochen, sich ins Ausland – nach Südafrika - absetzen zu wollen, davor noch einen Banküberfall verüben und sich eine Waffe besorgen wollten. Der V-Mann habe damals konkrete Namen zweier führender Mitglieder der "Blood & Honour"-Skinheadvereinigung in Chemnitz genannt, die dem NSU-Trio Papiere und Waffen beschaffen wollten.

Dass man dem Trio dicht auf der Spur gewesen sei, bestritt Meyer-Plath am Mittwoch. Vor Gericht begründete er, dass es sich den Behörden erst später erschlossen habe, dass es sich um Thüringer Neonazis statt um sächsische Neonazis gehandelt habe. Doch wie die Informationen überhaupt weitergeleitet wurden, blieb beim Prozess offen. Meyer-Plath berief sich dabei auf seine eingeschränkte Aussagegenehmigung. Ein Zustand, den die Nebenklage im Prozess nicht hinnehmen will. Sie versucht beharrlich herauszufinden, an welchen Stellen die wichtigen Informationen über das Trio versickerten. Anwalt Mehmet Daimagüler sagte dem "Bayerischen Rundfunk" am Mittwoch, er sei überzeugt, dass die Behörden damals hätten wissen können, um wen es sich bei den Untergetauchten handelte.

Meyer-Plath war schon vor NSU-Ausschuss des Bundestages

Dass offenbar wichtige Informationen über das NSU-Trio im Kompetenzgerangel der Landesbehörden untergegangen waren, beschäftigte bereits den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Der hatte Meyer-Plath bereits im April 2013 geladen. Umstritten war damals auch der V-Mann, der dem Verfassungsschützer die wichtigen Hinweise lieferte. Der Verbindungsmann soll sich in seiner U-Haft dem Verfassungsschutz angedient und die Informationen aus seiner Zelle heraus geliefert haben. Der V-Mann saß damals wegen versuchten Totschlags an einem Nigerianer hinter Gitter.

NSU-Prozess soll Rolle von Zschäpe klären

Im seit fast zwei Jahren währenden NSU-Prozess steht Beate Zschäpe als Hauptangeklagte vor Gericht. Sie ist die einzige Überlebende des mutmaßlichen Terror-Trios. Das Verfahren soll klären, welche Rolle Zschäpe in der Gruppe spielte. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft vor. Dem NSU-Trio werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Das Motiv war nach Überzeugung der Ankläger Fremdenhass und Hass auf den Staat. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich das Leben genommen, nachdem sie in Eisenach nach einem Banküberfall von der Polizei in einem Wohnmobil entdeckt worden waren.