NSU-Prozess Verfassungsschützer will von Mord nichts mitbekommen haben

Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht hat am Dienstag ein ehemaliger Mitarbeiter des Verfassungsschutzes ausgesagt. Er war bei der Ermordung eines der Opfer im April 2006 in dessen Internetcafé, will von der Tat aber nichts mitbekommen haben. Außerdem sagte der Vater des Ermordeten aus.

Der 46-jährige Ex-Verfassungsschützer gab an, zufällig am Tatort gewesen zu sein - in einem hinteren Raum des Internetcafés. Vom Mord an dem türkischstämmigen Inhaber habe er erst später aus der Zeitung erfahren. Er sei dann aber irrtümlich davon ausgegangen, dass er nicht am Tattag, sondern dem Vortag dort gewesen war. Als Zeuge habe er sich auch deshalb nicht gemeldet, weil er in dem Internetcafé Online-Flirtportale besucht hatte und fürchtete, seine Ehefrau könnte davon erfahren.

Der Mann wird voraussichtlich noch einmal als Zeuge geladen werden. Er wurde inzwischen vom hessischen Verfassungsschutz suspendiert. Er steht nicht nur in der Kritik, weil er sich nach dem Mord nicht bei der Polizei meldete, sondern auch, weil er in seiner Jugend selbst rechtsradikal gewesen sein soll. Die Ermittlungen gegen ihn wurden 2007 eingestellt.

Emotionale Aussage des Vaters des Opfers

Zuvor hatte der Vater des Mordopfers ausgesagt. Dabei schilderte er, wie er am späten Nachmittag des Tattages in das Café gekommen sei, um seinen Sohn abzulösen, der die Abendschule besuchte. Der 21-Jährige habe in einer Blutlache hinter dem Empfangstisch gelegen. "Ich habe meinen Sohn in meine Arme genommen, aber er hat keine Antwort gegeben", rief der Mann immer wieder auf Türkisch und konnte kaum beruhigt werden. Außerdem wandte sich der Mann direkt an die Angeklagten und fragte: "Mit welchem Recht haben Sie das getan?" Eine Antwort erhielt er nicht. Gerichtsreportern zufolge schaute die Angeklagte Beate Zschäpe während der Aussage die meiste Zeit nach unten auf ihre Hände und zeigte keine Regung.

Außerdem berichtete der Zeuge von jahrelangen Anfeindungen und Vorwürfen nach dem Mord. So hätten Bekannte der Familie gemutmaßt, das Opfer sei wegen Verwicklungen in Drogengeschäfte umgebracht worden. Eine finanzielle Entschädigung vom Staat wolle die Familie allerdings nicht. "Wir wollen, dass die Justiz gut funktioniert, dass die Gerechtigkeit ihren Platz bekommt", sagte der Mann.

Sein Sohn war das neunte Opfer der NSU-Mordserie an türkisch- und griechischstämmigen Geschäftsleuten. Die Anklage geht davon aus, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den jungen Mann am 6. April 2006 erschossen.