NSU-Prozess Gericht vernimmt früheren Betreiber eines Szeneladens

Der frühere Besitzer eines rechten Szeneladens in Jena hat möglicherweise vom Handel mit der später als Mordwaffe benutzten Česká gewusst. Der Mann hatte am Donnerstag im Prozess gegen Beate Zschäpe und vier weitere Angeklagte als Zeuge ausgesagt. Sein Mitarbeiter soll, so lautet die Anklage, die Waffe an die Terroristen verkauft haben. Durch Schüsse aus der Pistole starben von 2000 bis 2006 neun Menschen in mehreren Städten: acht türkisch- und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer.

Möglicherweise habe ihn der im NSU-Prozess mitangeklagte Ralf Wohlleben um die Jahrtausendwende einmal gefragt, ob er eine Pistole besorgen könne, sagte der Zeuge. Genau erinnere er sich aber nicht mehr. Er habe Wohlleben nach seiner Erinnerung an seinen Kollegen verwiesen - und ansonsten nichts mit dem Waffengeschäft zu tun haben wollen.

Die Vernehmung verlief teilweise zäh. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ermahnte den 40 Jahre alten Mann mehrmals, bei der Wahrheit zu bleiben. Dazu hielt er ihm seine früheren Aussagen bei der Polizei vor. Damals hatte er angegeben, dass Ende der 1990er Jahre mehrfach Leute in seinem Laden nach Waffen gefragt hätten. In dem Geschäft hatten sich vorzugsweise Rechte aus Jena mit einschlägiger Kleidung, Accessoires und Musik versorgt.

Zeuge lächelt Angeklagter Zschäpe zu

Vor Gericht sagte er zu seinen früheren Aussagen, es sei damals vermutlich meistens um Schreckschusswaffen gegangen. Richter Götzl hakte nach: "Mich würden die Fälle interessieren, die weniger vorkamen." Der Zeuge antwortete, manchmal habe er eine Armbrust im Angebot gehabt und seinen Kunden ansonsten gesagt, dass es Waffen in seinem Laden nicht gebe.

Der Zeuge räumte auch ein, Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe als Kunden in seinem Laden persönlich gekannt zu haben. Gelegentlich habe er Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos auch in Jena auf der Straße gesehen und gegrüßt. Im Gerichtssaal wechselte der Zeuge mit Zschäpe immer wieder Blicke, sie lächelten sich zu.

Ursprünglich stammt die Mordwaffe aus der Schweiz, wo sie durch mehrere Hände ging und dann nach Deutschland verkauft wurde. Für den Nachmittag war ein weiterer Zeuge geladen, der daran beteiligt gewesen sein soll, die Pistole nach dem Verkauf nach Deutschland in die rechtsextreme Szene zu vermitteln.

Zeugen droht Verfahren wegen Falschaussage

Anklage und Opferanwälte zeigten sich mit den Aussagen des Zeugen unzufrieden. Kritik übten sie vor allem an den zahlreichen "Erinnerungslücken", auf die der Mann verwies. Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten sagte, es werde ein Verfahren wegen Falschaussage oder Aussageverweigerung geprüft. Da stehe eine Straftat im Raum, ergänzte er mit Blick auf das Aussageverhalten des Zeugen.