Oberlandesgericht München NSU-Prozess dauert mindestens bis 2017

Seit fast drei Jahren wird am Oberlandesgericht gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer des NSU verhandelt. Und der Prozess wird nun mindestens noch bis ins nächste Jahr dauern. Am Mittwoch ging es erneut um die Waffe, mit der neun der zehn Morde verübt wurden.

Der NSU-Prozess in München wird bis mindestens 2017 verlängert. Das gab das Oberlandesgericht am Mittwoch bekannt. Zunächst wurden weitere Verhandlungstermine bis zum 12. Januar 2017 angesetzt. Bisher waren Prozesstage bis zum September festgelegt worden.

Carsten S. belastet Wohlleben erneut

Am Mittwoch erneuerte der mitangeklagte Carsten S. seine Vorwürfe gegen den einstigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. S. wiederholte seine Aussage, Wohlleben habe ihm den Auftrag zur Beschaffung jener Waffe gegeben, mit der die untergetauchten Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard neun Menschen erschossen haben sollen. Auch das Geld zur Bezahlung der Waffe habe er von Wohlleben bekommen.

Sowohl Wohlleben als auch S. sind angeklagt, die Waffe beschafft zu haben. S. hatte bereits im Ermittlungsverfahren und gleich zu Prozessbeginn gestanden. Wohlleben, der sich erst nach jahrelangem Schweigen im vergangenen Dezember zu Wort meldete, stritt eine Beteiligung ab. Nach seiner Darstellung soll S. den Auftrag direkt von Mundlos oder Böhnhardt bekommen haben. Er, Wohlleben, sei auch nicht in die Bezahlung der Waffe involviert gewesen. S. erklärte dagegen nun: "Das Geld habe ich von Herrn Wohlleben bekommen, da war kein Trio und kein Tino Brandt involviert." Wohlleben sei es auch gewesen, der ihn zu einem Einbruch in die verlassene Wohnung von Beate Zschäpe im August 1998 angestiftet und ihm einen Komplizen dafür vermittelt habe. Zschäpe war kurz vorher mit Böhnhardt und Mundlos in den Untergrund gegangen.

NSU-Prozess seit fast drei Jahren

Der NSU-Prozess hatte am 6. Mai 2013 begonnen. Bisher gab es 269 Prozesstage. Hauptangeklagte ist die einzige Überlebende des NSU-Trios, Beate Zschäpe. Ihr wird Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und mehreren Banküberfällen vorgeworfen. Vier weitere Angeklagte, darunter Wohlleben und S. müssen sich wegen mutmaßlicher Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verantworten.