Streit in München NSU-Prozess: Verteidigung will Plädoyer mitschneiden lassen

Der NSU-Prozess verzögert sich erneut. Grund ist eine Forderung der Verteidigung. Sie will den 22-stündigen Schlussvortrag der Ankläger mitschneiden lassen. Ankläger und Richter lehnen das ab.

Das für Mittwoch angekündigte Plädoyer im Münchner NSU-Prozess verzögert sich. Grund ist ein mehrstündiger Streit um einen möglichen Tonbandmitschnitt. Richter Manfred Götzl unterbrach den Prozess bis nächsten Dienstag. Ob die Bundesanwaltschaft dann mit ihrem Plädoyer beginnen kann oder ob sich dies noch länger hinzieht, ist offen.

Die Verteidigung der Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben wollen das Plädoyer der Bundesanwaltschaft mitscheiden lassen. Es sei für ihre Mandanten nicht möglich, den für 22 Stunden geplanten Schlussvortrag der Ankläger zu folgen. Dem widersprach die Bundesanwaltschaft. Tonaufnahmen  seien in der Strafprozessordnung nicht vorgesehen. Es sei auch nicht Aufgabe der Ankläger, "ihr Plädoyer an jeglichen Verständnishorizont anzupassen". Auch Richter Götzl entgegnete, eine Tonaufnahme sei für eine sachgerechte Verteidigung nicht erforderlich. Ersatzweise forderte Wohllebens Anwalt einen Stenotypisten mit der Mitschrift des Plädoyers zu beauftragen. Dieser Forderung schlossen sich die Verteidiger der fünf Angeklagten an. Darüber will das Gericht jetzt beraten.

Die Beweisaufnahme in dem Terrorverfahren dauerte mehr als vier Jahre. In dem Verfahren gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und vier mutmaßliche NSU-Helfer geht es um die zehn Morde, zwei Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vorgeworfen werden. Der Hauptangeklagten droht lebenslange Haft.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19.07.2017 | 15:00 Uhr