NSU-Prozess in München Zschäpe beim Anzünden der Zwickauer Wohnung wohl betrunken

Beate Zschäpe war deutlich angetrunken, als sie die Fluchtwohnung des mutmaßlichen Terror-Trios in Zwickau anzündete. Zu diesem Ergebnis kommt ein Rechtsmediziner. Im NSU-Prozess deutet sich außerdem ein Ende an.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe war nach Berechnungen eines Rechtsmediziners deutlich alkoholisiert, als sie am 4. November 2011 die Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau anzündete. Oliver Peschel von der Münchner Rechtsmedizin sagte am Donnerstag im NSU-Prozess in München, er gehe von einem wahrscheinlichen Wert von 2,04 bis 2,58 Promille aus - je nachdem, welches Körpergewicht Zschäpe in dieser Zeit gehabt hatte.

Trotz Trunkenheit bei Brandstiftung nicht eingeschränkt

Trotz Trunkenheit soll Zschäpe keine Ausfallerscheinungen gehabt haben. Zeugen beschrieben sie nach der Brandstiftung als gefasst, ihr Gesichtsausdruck soll normal gewesen sein. Sie sei sicher die Straße entlang gegangen. Auf Basis von Zeugenaussagen und Zschäpes eigenen Angaben kam Peschel zu der Beurteilung, dass bei ihr keine Beeinträchtigung physischer oder kognitiver Fähigkeiten durch den Alkohol vorlag. In ihrer Leistungsfähigkeit sei sie demnach bei der Brandstiftung nicht eingeschränkt gewesen.

Peschel stützte sich bei seiner Berechnung auf Aussagen Zschäpes. Am Tag vor der Brandstiftung habe sie drei Flaschen Sekt getrunken. Am Tag darauf, den 4. November 2011, habe sie gegen 9 Uhr ihr erstes Glas Sekt getrunken. Bis zur Tatzeit gegen 15 Uhr soll sie eine ganze Flasche Sekt konsumiert haben.

Staatsanwaltschaft: Versuchter Mord wegen Brandstiftung

Zschäpe hatte am 4. November 2011 die Fluchtwohnung der mutmaßlichen NSU-Terroristen in Brand gesteckt. Laut Anklage soll Zschäpe damit das Leben ihrer betagten Nachbarin gefährdet haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr versuchten Mord vor. Zschäpe hatte nach eigener Aussage zuvor im Radio von einem brennenden Wohnmobil in Eisenach mit zwei Leichen darin, und damit vom Tod Mundlos' und Böhnhardts erfahren. "Ich wusste sofort was passiert war", hieß es in einer der schriftlichen Antworten Zschäpes auf Fragen des Gerichts. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl trug diese am Donnerstag vor.

Richter fordert Ende der Beweisaufnahme

Im NSU-Prozess deutet sich außerdem ein Ende der Beweisaufnahme an. Götzl forderte die Prozessparteien auf, "zeitnah" noch ausstehende Anträge zu stellen. Auch die Hauptangeklagte Zschäpe solle kommende Woche die noch ausstehende Antworten auf eine Reihe von Fragen liefern. Der psychiatrische Gutachter Henning Saß, der Zschäpes Persönlichkeit beurteilen soll, will sein vorläufiges Gutachten in der dritten Oktoberwoche präsentieren. Darin wolle er auch auf eine mögliche alkoholbedingte eingeschränkte Schuldfähigkeit Zschäpes am 4. November 2011 eingehen. Das psychiatrische Gutachten könnte der Schlusspunkt der Beweisaufnahme sein.