NSU-Prozess Zwickau erinnert an NSU-Opfer

Am Mittwoch soll nach fünf Jahren Gerichtsverhandlung das Urteil im NSU-Prozess fallen. Eine Kunstaktion in Zwickau erinnert an die Opfer des Neonazi-Trios, das jahrelang in Zwickau wohnte.

Einen Tag vor der Urteilsverkündung im NSU-Prozess hat Zwickau an die Opfer der Rechtsterroristen erinnert. Auf dem Hauptmarkt errichtete ein Bündnis aus verschiedenen Bürgerinitiativen eine Fotoinstallation des Münsteraner Künstlers Thomas Nufer. Sie zeigt Portraits der zehn Mordopfer des Neonazi-Trios, das jahrelang in Zwickau unter falschem Namen wohnte. Neben den Fotos sind auch Lautsprecher aufgebaut, aus denen Stimmen von Betroffenen der NSU-Morde zu hören sind. Organisiert wird die Aktion von verschiedenen Zwickauer Initiativen, darunter das Soziokulturelle Zentrum der Zwickauer Region, das Theater Plauen-Zwickau oder das Bündnis für Demokratie und Toleranz und das Kulturbüro Sachsen.

Rechte Szene wieder aktiv

René Hahn vom "Roter-Baum-e.V." in Zwickau ist einer der Initiatoren: "Der Anlass für unser Projekt ist das Urteil, das morgen vom Oberlandesgericht München gefällt wird. Da der Prozess ja schon so lange dauert, wollten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass jetzt endlich das Urteil gesprochen wird." Dazu sollten vor allem die Opfer des Terror-Trios ins Blickfeld gerückt werden und gezeigt werden, wozu eine solche menschenverachtende, rechtsextremistische Ideologie führt.

"Wir wollten auch zeigen, dass wir uns als Bürger und Stadt mit den Opfern solidarisieren. Gerade jetzt, wo es wieder eine zunehmende Tendenz nach rechts gibt", so Hahn. Denn die rechte Szene sei nach wie vor in Zwickau aktiv. Rechte Vereine oder Parteien wie "Der dritte Weg" organisierten Demos und Veranstaltungen. "Nach der Mordserie waren erstmal alle schockiert von der rechten Gewalt. Seit der Flüchtlingskrise bekommen die Rechten aber wieder Zulauf", sagt Hahn, der auch für die Linke im Stadtrat sitzt.

"Prozess ist ein Skandal"

"Für mich ist der ganze Prozess ein Skandal", sagt ein Mann, der die Aufbauarbeiten der Installation aus der Ferne beobachtet. Nicht etwa, weil er überhaupt stattfinde, sondern weil es so lang dauere. "Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern. Bei solchen Typen wäre ein kurzer Prozess das Beste", aber das funktioniere in einem Rechtsstaat leider nicht. Neben ihm steht ein Mittfünfziger. Er komme aus dem einstigen Jugoslawien und lebe schon über zwanzig Jahre in Zwickau. Ausländerfeindlichkeit habe er hier nicht kennengelernt. "Wir haben damals in Jugoslawien alle gut miteinander gelebt. Bis Kriminelle, die Leute mit Religion und Nationalismus aufgehetzt haben." Für ihn sei immer klar gewesen, dass der Mensch wichtig sei, und nicht, in welche Kirche er gehe, oder aus welchem Land er komme.

Am Abend wird auf dem Zwickauer Hauptmarkt eine Trauerfeier stattfinden, bei der Namen und Lebensdaten der Opfer verlesen werden. Bei dem Gedenken werden nach Angaben der Organisatoren rote Kerzen an Passanten verteilt. Sie sollen an das vergossene Blut erinnern. Am Mittwoch ist in Zwickau eine Sprühaktion geplant. Dabei werden Orte mit NSU-Bezug markiert. Die Markierungen verweisen auf die Webseite www.offener-prozess.de, die Hntergrundinformationen bereitstellt.

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.07.2018 | 19:00 Uhr