NSU-Prozess Rechtsextremer Zeuge lässt Opfer-Anwälte auflaufen

Erinnerungslücken, Lustlosigkeit oder kaum verborgene Erheiterung: Der Thüringer Rechtsextremist André Kapke hat bei seiner dritten Zeugenaussage im NSU-Prozess nichts zur Wahrheitsfindung beitragen wollen oder können.

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat zum dritten Mal der Thüringer Rechtsextremist André Kapke ausgesagt. Er war in den 90er-Jahren eine der führenden Personen der Jenaer Neonazi-Szene und mit dem späteren NSU-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe befreundet. Der Kontakt hielt noch an, nachdem die drei 1998 untergetaucht waren. Kapke war unter anderem beim "Thüringer Heimatschutz" aktiv.

Im Gerichtssaal mühten sich am Donnerstag vor allem Vertreter der Nebenklage vergeblich, von Kapke Hinweise zu Verbindungen innerhalb der rechten Szene zu erhalten. Immer wieder ließ Kapke die Opfer-Anwälte auflaufen, wenn er nach den Namen von Personen oder rechten Musikgruppen gefragt wurde. Beispielsweise fragte Rechtsanwalt Alexander Hoffmann nach einer Band, die auf einem von Kapke mitorganisiertem Festival auftrat: "Können Sie was zu der Band sagen?" - Kapke nuschelte: "Musikgruppe." - "Waren die politisch aktiv?" - "Anzunehmen."

Streckenweise machte sich Kapke offen über Fragesteller lustig - etwa als es um die Bedeutung einer Gedichtzeile ging, die der "Thüringer Heimatschutz" als Slogan verwendete: "Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte." Als einer der Anwälte nach einer Interpretation fragt, antwortete Kapke: "Nehmen Sie's mir nicht übel, aber auf so einen Quatsch habe ich keine Lust." Als Kapke gefragt wird, ob er an Wehrsportübungen teilgenommen habe, fängt der füllige Mann laut an zu kichern. "Was erheitert Sie jetzt so?", fragt einer der Anwälte. "Nun, ich bin wirklich nicht der Sportlichste."

Nun, ich bin wirklich nicht der Sportlichste.

Der Thüringer Rechtsextremist André Kapke auf die Frage im NSU-Prozess, warum er eine vorangegange Frage zur Teilnahme an Wehrsportübungen mit einem Kichern quittiert hat. dpa

Wie schon in vorangegangenen Vernehmungen berief sich der Rechtsextremist immer wieder auf Erinnerungslücken. Einer der Anwälte wollte wissen, ob es nach dem Untertauchen von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe 1998 eine Hausdurchsuchung bei Kapke gab. "Wissen Sie, wie viele Hausdurchsuchungen ich hatte?", fragt Kapke zurück. - "Das weiß ich nicht", sagt der Anwalt. - "Sehen Sie, ich auch nicht."

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hielt Kapke unter anderem das Brettspiel "Pogromly" vor. Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe hatten laut Anklage das Spiel mit antisemitischen und NS-verherrlichenden Inhalten gestaltet. Erstmals präsentierte Götzl das in Anlehnung an "Monopoly" gestaltete Spielbrett im Prozess. Kapke gab zu, dass er "Pogromly" gespielt hatte. "Ja, das wird's schon sein. Detailliert kann ich das nicht mehr sagen."

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2014, 17:52 Uhr