Oberlandesgericht München Nebenkläger vertrat im NSU-Prozess vermutlich ein Phantom

Im Münchner NSU-Prozess ist eine Frau als Nebenklägerin zugelassen, die es nach Angaben ihres Anwalts vermutlich gar nicht gibt. Der Jurist Ralph Willms legte sein Mandat nach Informationen von "Spiegel Online" mit sofortiger Wirkung nieder und bat das Oberlandesgericht München um seine Entbindung als Nebenklagevertreter.

Willms erklärte am Freitag, er sei von einem anderen vermeintlichen Opfer des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße im Jahr 2004 getäuscht worden. Dieser Mann habe vorgegeben, die Frau zu kennen, und habe Willms auch ein Foto von ihr gezeigt. "Zufällig" habe sich jetzt herausgestellt, dass dieser Mann dasselbe Foto auch einem anderen Anwalt gezeigt und mit einer anderen Identität versehen habe. Willms schrieb in einer Mitteilung von "betrügerischen Machenschaften" dieses Mannes.

Willms vertritt die wohl nicht existierende Frau seit Beginn des NSU-Prozesses im Mai 2013. In dieser Woche hatte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl den Anwalt aufgefordert, zu klären, wo sich seine Mandantin aufhält. Er - Götzl - habe mehrmals vergeblich versucht, sie als Zeugin zum Prozess zu laden.