Ex-Verfassungsschutzchef von Thüringen Roewer veröffentlicht Tagebuch in umstrittenem Verlag

Der frühere Thüringer Verfassungsschutz-Chef Helmut Roewer will ein Tagebuch über seine Amtszeit veröffentlichen. Das Tagebuch soll im österreichischen Ares-Verlag erscheinen, der als rechtsgerichtet gilt. Eine Sprecherin des Verlages sagte MDR THÜRINGEN, das Buch solle zur Frankfurter Buchmesse im Oktober herauskommen.

"Drastische" Beschreibung der Verhältnisse

Helmut Roewer
Helmut Roewer vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages. Bildrechte: Jens-Ulrich Koch/dapd

Roewer selbst wollte sich gegenüber MDR THÜRINGEN nicht zu seinem Tagebuch äußern. Auf seiner Homepage kündigt der Ex-Geheimdienstchef aber an, dass er die Verhältnisse nach der Wiedervereinigung "drastisch" beschreiben wolle. Einen großer Teil seiner Arbeitskraft als Verfassungsschutzchef habe die damalige "labile Polizeistruktur" in Anspruch genommen, heißt es dort. "Altlasten und unfähige Westimporte" hätten sich erbitterte Auseinandersetzungen geliefert, anstatt ihre Arbeit zu tun. Die Morde an "etwa zehn ausländischen Gewerbetreibenden" seien die Folge von Politik, Korruption und Gewalt im Osten Deutschlands gewesen, schreibt Roewer weiter.

Der an der Uni Konstanz promovierte Jurist Helmut Roewer war 1994 aus dem Bundesinnenministerium nach Thüringen gekommen und zum Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz ernannt worden. Nach sechs Jahren wurde er nach einer Reihe von Affären vom Dienst suspendiert.

Zweites Buch im Ares-Verlag

Der Ares-Verlag mit Sitz in Graz ist wegen seiner rechtskonservativen Bücher in Österreich umstritten. Die österreichischen Grünen werfen ihm vor, antisemitischen, rassistischen und rechtsextremen Autoren eine Plattform zu bieten. Klagen des Verlages gegen entsprechende Vorwürfe wurden vom Gericht zurückgewiesen. Roewer hat im Ares-Verlag bereits vor zwei Jahren ein Buch herausgegeben.