Zeuge bricht Schweigen Helfer des Neonazi-Trios belastet Ex-NPD-Funktionär

Der mutmaßliche Helfer des mitteldeutschen Terror-Trios, Holger G., hat in einer umfassenden Aussage sich selbst und den früheren NPD-Funktionär Ralf Wohlleben belastet. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf das Vernehmungsprotokoll berichtet, hat G. dem Neonazi-Trio auf Anweisung Wohllebens Papiere und eine Pistole besorgt. Die Aussagen decken sich mit den Vorwürfen gegen die beiden Inhaftierten.

Nach Aussage von G. soll Wohlleben ihn 1998 um Geld für das flüchtige Trio gebeten haben. Er habe ihm daraufhin 3.000 D-Mark gegeben. Zwei bis drei Jahre später habe der NPD-Kader ihn dann angewiesen, einen Reisepass für Böhnhardt zu besorgen. Von Wohlleben habe er die geheime Telefonnummer der Untergetauchten bekommen und ihnen den Pass übergeben.

2001 oder 2002 hat G. dann nach eigener Aussage von Wohlleben in einem Beutel eine Pistole bekommen, die er in Zwickau den Flüchtigen ausgehändigt haben will.

Kontakt bis Mai 2011

Dem Bericht zufolge soll sich G. in der Folgezeit dann geweigert haben, weitere Kurierdienste für die Neonazis zu übernehmen, jedoch weiterhin regelmäßig mit ihnen telefoniert haben. 2005 seien die drei dann plötzlich vor seiner Wohnung bei Hannover aufgetaucht und hätten ihn gebeten, einen Führerschein zu besorgen. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf die Aussage von G. berichtet, hat das Trio G. unter Druck gesetzt, damit er ihnen weiter hilft. Bis Mai vorigen Jahres soll es Kontakt gegeben haben.

G. war Mitte November bei Hannover festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, für die Terror-Verdächtigen ein Wohnmobil angemietet und Papiere besorgt zu haben. Der ehemalige Vize-Chef der Thüringer NPD, Wohlleben, sitzt seit Ende November in U-Haft, weil er dem Terror-Trio eine Schusswaffe und Munition besorgt haben soll. Möglicherweise steigen mit dem Geständnis auch die Aussichten für ein NPD-Verbotsverfahren.

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund um Beate Zschäpe, Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos hatte jahrelang unbehelligt unter anderem in Zwickau und Chemnitz gelebt. Sie wird für neun Morde an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung verantwortlich gemacht. Außerdem sollen die Neonazis in Heilbronn eine Polizistin getötet und 2004 einen Anschlag in Köln verübt haben. Bönhardt und Mundlos haben sich nach derzeitigem Erkenntnisstand selbst getötet. Zschäpe sitzt derzeit in Untersuchungshaft und verweigert bislang die Aussage.