Nagelbombenanschlag in Köln NSU-Opfer dringt auf schnellen Zivilprozess gegen Thüringen

Das Zivilverfahren eines NSU-Opfers gegen den Freistaat Thüringen wird nicht bis zum Abschluss des Münchner Strafprozesses ausgesetzt. Das Landgericht Erfurt teilte MDR THÜRINGEN mit, der Anwalt des Opfers habe einen entsprechenden Vorschlag des Thüringer Innenministeriums abgelehnt. Das Ministerium hatte argumentiert, dass erst das NSU-Strafverfahren vor dem Oberlandesgericht München und verschiedene NSU-Untersuchungsausschüsse abgeschlossen werden müssten. Weil der Anwalt schriftlich erklärt habe, an der Klage festhalten zu wollen, werde es nun eine mündliche Verhandlung vor dem Landgericht geben. Einen Termin nannte das Gericht noch nicht.

Bei dem Opfer handelt es sich um den Besitzer eines Dönerimbisses in der Kölner Keupstraße. Auf das Lokal war im Juni 2004 vermutlich von der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ein Nagelbombenanschlag verübt worden. Der Imbissbesitzer wurde schwer traumatisiert. Er fordert vom Land Thüringen 6.000 Euro Schadenersatz, weil die Fahndungspannen bei der Suche nach dem NSU-Trio eine Festnahme verhindert und den Anschlag damit möglich gemacht hätten.

Sein Anwalt hatte die Klage gegen Thüringen eingereicht, nachdem der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags seinen Abschlussbericht veröffentlicht hatte. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN argumentiert der Anwalt in der Klageschrift, dass sich aus dem Bericht "eine klare Schuld der Thüringer Behörden ergebe, die die frühe Festnahme des Trios verhinderten". Bei Erfolg der Zivilklage könnten sich umfangreiche weitere Schadensersatzklagen gegen den Freistaat anschließen. Der Imbissbesitzer tritt im Münchner Verfahren gegen Beate Zschäpe und die mutmaßlichen NSU-Unterstützer als Nebenkläger auf.