NSU-Prozess Zschäpe will umfassend aussagen

Zweieinhalb Jahre nach Beginn des Münchner NSU-Prozesses will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihr Schweigen brechen und umfassend aussagen. Das hat ihr Verteidiger Mathias Grasel am Montag mitgeteilt. "Frau Zschäpe wird sich am Mittwoch durch mich äußern. Sie wird nicht persönlich sprechen. Ich werde eine Erklärung abgeben", erklärte der Anwalt. Zuvor hatte "Spiegel Online" berichtet, die 40-Jährige wolle in dem Prozess um die der rechtsextremen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) angelasteten Verbrechen vor dem Oberlandesgericht München umfassend aussagen.

Keine Angaben zu geplanten Aussagen

Zschäpe-Anwalt Grasel ließ offen, ob er oder seine Mandantin im Anschluss an die von ihm verlesene Erklärung auch zu Antworten auf Nachfragen bereit seien. Auch zum Inhalt der geplanten Aussage machte er keine Angaben.

Grasel vertritt Zschäpe erst seit Juli als vierter Verteidiger. Das Verhältnis zu ihren anderen drei Verteidigern gilt als zerrüttet. Nach der Nachberufung des Münchner Anwalts hatte es bereits Spekulationen geben, Zschäpe könnte ihr Schweigen beenden. Die mutmaßliche Rechtsterroristin steht seit Mai 2013 in München vor Gericht. Bisher hat sie auf Anraten ihrer drei Anwälte beharrlich geschwiegen. Nachdem sie sich im November 2011 in Jena stellte, hatte sie laut einem Vermerk des Bundeskriminalamtes noch gesagt, dass sie das nicht tue, um dann zu schweigen.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess

Zschäpe ist zusammen mit fünf Helfern des NSU angeklagt. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft soll die 40-Jährige für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle mitverantwortlich sein. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr eine lebenslange Freiheitsstrafe und möglicherweise Sicherungsverwahrung.

Zschäpe hatte sich nach dem mutmaßlichen Suizid ihrer Komplizen Uwe Böhnhard und Uwe Mundlos im November 2011 der Polizei gestellt.