NSU-Prozess Zschäpe erhält fünften Verteidiger

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe wird im NSU-Prozess künftig von einem fünften Anwalt vertreten. Wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtet, handelt es sich um den Münchner Rechtsanwalt Hermann Borchert. Dieser sagte dem Blatt, er habe dem Oberlandesgericht München eine entsprechende Vollmacht von Zschäpe vorgelegt.

Borchert ist Partner von neu-Verteidiger Grasel

Borchert ist Kanzleipartner des im Juli neu bestellten Pflichtverteidigers Mathias Grasel. Anders als dieser und den drei seit Prozessbeginn arbeitenden Anwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ist der neue Rechtsbeistand ein Wahlverteidiger und muss deshalb von Zschäpe selbst bezahlt werden. Borchert hat schon länger Kontakt zu Zschäpe. Zu seinen Motiven, in den Prozess einzusteigen, wollte sich Borchert laut "Tagesspiegel" nicht äußern. Er wird vermutlich auch nicht regelmäßig an der Hauptverhandlung teilnehmen. "Ich werde an bestimmten Tagen im Prozess auftreten", sagte Borchert. Die Sprecherin des Oberlandesgerichts, Andrea Titz, sagte, eine Kombination von Pflicht- und Wahlverteidigern komme immer wieder vor. Wie sich das auf das Verfahren auswirken werde, bleibe abzuwarten.

Termin für Zschäpe-Aussage noch unklar

Unterdessen ist weiter unklar, wann Zschäpe ihre angekündigte Aussage macht. Ursprünglich war diese für Mittwoch vorgesehen. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hat den Prozess jedoch bis mindestens zum 17. November unterbrochen. Zunächst muss über den Befangenheitsantrag des Mitangeklagten Ralf Wohlleben gegen die Richter entschieden werden. Danach müssen Götzl und seine Kollegen über den Entlassungs-Antrag von Zschäpes Alt-Verteidigern Heer, Stahl und Sturm befinden.

Diese hatten am Dienstag ihre Entpflichtung beantragt. Zur Begründung führten sie an, das Gericht habe durch Grasel und Borchert schon länger von der geplanten Aussage ihrer Mandantin gewusst und sie nicht informiert. Die bisherige Strategie der Alt-Verteidiger hatte vorgesehen, dass sich Zschäpe nicht zu den Vorwürfen äußert. Nun halten sie eine angemessene Verteidigung ihrer Mandantin nicht mehr für möglich.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des mutmaßlichen Terrortrios NSU. Ihr wird unter anderem Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und mehreren Banküberfällen vorgeworfen.