Vor Prozess in München Beate Zschäpe darf für Kurzbesuch nach Thüringen

Das Oberlandesgericht München hat zugestimmt, die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe aus famliliären Gründen vorübergehend von Köln nach Gera zu verlegen. Wie das Magazin "Focus" und die Nachrichtenagentur dpa berichten, soll Zschäpe damit ein einzelner Besuch ihrer schwer kranken Großmutter ermöglicht werden, die als engste Bezugsperson der 38-Jährigen gilt.

Fahndungsfoto der Polizei
Beate Zschäpe auf einem Fahndungsfoto Bildrechte: Polizeidirektion Suedwestsachsen/dapd

"Focus" berichtet unter Berufung auf die Anwälte Zschäpes, die in Jena lebende 89 Jahre alte Zschäpe-Oma sei dauerhaft reiseunfähig und könne ihre Enkelin weder im Gefängnis in Köln noch in München besuchen, wo Zschäpe ab dem 17. April vor Gericht steht. In dem Antrag formulierten die Zschäpe-Verteidiger, ihre Mandantin habe das "dringende, letztlich einzige persönliche Bedürfnis", ihre schwer erkrankte Großmutter noch einmal zu sehen. Wahrscheinlich wird Zschäpe nicht einmal in Gera übernachten. Wann der Besuch stattfindet, ist offen.

Zusammentreffen mit Großmutter in Gera schon 2012

Zschäpe sitzt in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf ein, seit sie sich im November 2011 in Jena der Polizei gestellt hatte. Bereits im Juni 2012 war ihr ein streng überwachter Kurzbesuch in der JVA Gera genehmigt worden, damit sie ihre Oma treffen kann. Nach einer Nacht in dem Thüringer Gefängnis wurde Zschäpe zurück nach Köln gebracht. Die Anstalt in Gera ist ein reines Männergefängnis, ein längerer Aufenthalt kam schon deswegen nicht infrage.

Zschäpe muss sich von April an wegen Mittäterschaft bei den zehn Morden der rechtsextremistischen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) verantworten. Eine Verlegung der Angeklagten nach München ist wegen vieler eng aufeinanderfolgender Prozesstage wahrscheinlich. Zudem gibt es in München ein Frauengefängnis.