NSU-Prozess Zschäpe-Anwalt Heer spricht bei MDR INFO Klartext

Eigentlich war es zu erwarten gewesen: Die drei Altverteidiger von Beate Zschäpe haben heute erneut versucht, sich von ihrem Mandat entbinden zu lassen. Der Kern ihrer Verteidigungsstrategie war, dass ihre Mandantin sich nicht durch eine Aussage selbst belasten soll. Zschäpe will sich nun aber zu Wort melden - wenn auch nicht mündlich.

Einmal hatten sie sich schon eine blutige Nase geholt: Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl sehen sich schon länger nicht mehr imstande, Beate Zschäpe angemessen zu verteidigen. Doch der Vorsitzende Richter Manfred Götzl wollte sie partout nicht entbinden. Auch wenn die Kommunikation zwischen Mandantin und Anwälten gestört sei, könnten diese dennoch die Interessen der Angeklagten vertreten. Heute jedoch habe der Konflikt eine neue Eskalationsstufe erreicht, argumentiert Anwalt Heer vor Gericht. In einem Telefongespräch mit MDR INFO sagte er: "Die Verteidigungsstrategie, die meine beiden Kollegen und ich verfolgt haben bisher, war eindeutig erkennbar: Dass die Mandantin keine Angaben zur Sache macht. Wir wurden nicht darüber informiert, durch den Vorsitzenden, dass jetzt offenbar eine vollständige Kehrtwendung erfolgt ist. Unseren Antrag haben wir auch damit begründet, dass es uns künftig, wenn wir nicht über die Details der neuen Strategie informiert sind, verwehrt ist, die Interessen der Mandantin ordnungsgemäß zu wahren, wenn wir keine Einzelheiten kennen."

Die alten Anwälte erfuhren aus der Presse von Zschäpes Aussage

Sprich: Nicht nur, dass Zschäpe nicht mehr mit Heer, Stahl, Sturm spricht. Auch ihr neuer, vierter Anwalt Matthias Grasel tut das nicht. Und der Vorsitzende Richter, der seit Tagen von Zschäpes Aussagebereitschaft weiß, tut das auch nicht. Der Gipfel der Demütigung war, dass die drei Altanwälte aus der Presse davon erfahren mussten, dass ihre Verteidigungsstrategie gescheitert ist. Jetzt kommen sie sich vor, als säßen sie auf der Zuschauertribüne. Doch was ist, wenn Götzl sie auch jetzt, bei eindeutig veränderter Ausgangslage, nicht entbindet? Verteidiger Heer: "Wenn wir nicht entbunden werden, dann müssen wir weiter an dieser Hauptverhandlung teilnehmen. Das wird uns sehr schwer fallen, weiter prozessuale Aktivitäten zu entfalten, um nicht zu sagen: Es wird uns unmöglich sein, weil wir natürlich der Mandantin nicht schaden dürfen. Und wir können unmöglich Zeugen befragen, wenn uns eine neue Verteidigungsstrategie nicht im Detail bekannt ist."

Sitzung vorerst unterbrochen

Am Dienstagnachmittag wurde die Sitzung unterbrochen. Die Verfahrensbeteiligten forderten mehr Zeit, um die komplexen neuen Lage beurteilen zu können. Wenig später gab das Gericht bekannt, dass die für Mittwoch geplante Aussage von Zschäpe vertagt wird. Die Hauptangeklagte erhält nun am kommenden Dienstag die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen gegen sie zu äußern.