"Kultstätte" soll verhindert werden Haus der Zwickauer Zelle wird komplett abgerissen

Weil die Stadt Zwickau eine neue Kultstätte für Neonazis verhindern will, soll das Haus der mutmaßlichen Neonazi-Zelle abgerissen werden. Eine städtische Wohnungsgesellschaft hat das Grundstück deshalb jetzt gekauft. In Sachsen-Anhalt werden unterdessen mehrere Tötungsverbrechen auf einen möglichen rechtsextremen Hintergrund hin überprüft. Es handelt sich um Fälle, die bisher nicht als politisch motivierte Taten eingestuft worden waren.

Das Zwickauer Haus, in dem die mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe zuletzt gewohnt hatten, wird im kommenden Jahr abgerissen. Wie Stadtsprecher Mathias Merz am Montag sagte, hat eine städtische Wohnungsgesellschaft das Grundstück gekauft. In der vergangen Woche habe diese das Geschäft mit dem bisherigen Eigentümer bei einem Notar besiegelt. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Der private Eigentümer hatte nur den oberen, durch eine angeblich von Zschäpe ausgelöste Explosion zerstörten Teil der Doppelhaushälfte abtragen lassen. Ursprünglich sollte das intakt gebliebene Erdgeschoss wieder aufgestockt werden.

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Das Haus in der Frühlingsstraße gehört nun der Stadt Zwickau - diese will das Gebäude im kommenden Jahr abreißen lassen Bildrechte: MDR JUMP

Keine neue "Kultstätte" für Neonazis

Zwickaus Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) hatte mehrfach auf den vollständigen Abriss des schwer beschädigten Hauses gedrängt. "Ich sehe ansonsten die Gefahr, dass die Rechtsextremisten daraus eine Kultstätte machen werden - nach dem Schema: Hier haben unsere Märtyrer gewohnt", sagte die Oberbürgermeisterin in einem Interview. Das mutmaßliche Neonazi-Trio Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe hatte in der Zwickauer Frühlingsstraße 26 vermutlich drei Jahre lang gelebt, von 2008 an bis zum Auffliegen der Terrorgruppe Anfang November. In der Doppelhaushälfte im Stadtteil Weißenborn bewohnten sie eine etwa 120 Quadratmeter große Wohnung in der ersten Etage. Nachdem sich die beiden Männer nach einem Banküberfall in Thüringen umgebracht haben sollen, soll Zschäpe versucht haben, mit einer Explosion Beweise zu vernichten. Kriminalisten entdeckten in dem Gebäude große Mengen an Beweismaterial, darunter auch mehrere Schusswaffen.

Sachsen-Anhalt will Tötungsdelikte überprüfen

Im Zuge der Ermittlungen zu den Taten der Zwickauer Terrorzelle kündigte Sachsen-Anhalt an, neun Tötungsverbrechen auf einen rechtsextremen Hintergrund zu prüfen. Wie Justiz- und Innenministerium am Montag mitteilten, sollen die Ergebnisse im kommenden Februar vorliegen. Es handelt sich um Fälle, die von den Behörden bisher nicht als politisch motivierte Taten eingestuft worden waren. Sie sind in einer Liste mit 138 Toten aufgeführt, die unter anderem die Zeitung "Tagesspiegel" zusammengestellt hatte. Noch in der vergangenen Woche hatte eine Sprecherin des Magdeburger Innenministeriums gesagt, die Untersuchungen seien abgeschlossen und hätten keine neuen Erkenntnisse gebracht. Nicht jede Straftat eines Rechtsextremisten sei auch mit einer rechtsextremistischen Motivlage gleichzusetzen.

Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) um Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos wird für die Mordserie an neun Geschäftsleuten türkischer und griechischer Abstammung zwischen 2000 und 2006 verantwortlich gemacht. Auch der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn wird dem rechtsextremen Trio angelastet. Außerdem soll die NSU für den Nagelbomben-Anschlag in der Kölner Innenstadt 2004 verantwortlich sein.