Oberweißbach Bürgermeister kritisiert Spekulationen über Polizistin

Der Bürgermeister von Oberweißbach, Jens Ungelenk, hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wegen der Spekulationen um mögliche Verbindungen zwischen der ermordeten Polizistin Michéle K. und ihrem mutmaßlichen Mörder scharf kritisiert. Dem MDR THÜRINGEN sagte er: "Es ist unverantwortlich, wenn derartige Halbwahrheiten und Einzeldetails veröffentlicht werden". Ungelenk reagierte damit auf eine Aussage des Präsidenten des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, vom Montag. Dieser hatte erklärt, dass beim Mord an der Polizistin in Heilbronn im April 2007 eine Beziehungstat nicht ausgeschlossen werden könne.

Ungelenk sagte: "Mein Wunsch, meine Forderung ist es, dass die Lawine, die man gestern losgetreten hat, stoppt!" Unbescholtene Bürger seien durch die Berichte ins Kreuzfeuer gekommen. Wenn es tatsächlich Erkenntnisse gebe, müsse zumindest gesagt werden, dass die Familie der ermordeten Polizistin damit nichts zu tun habe. Nach Ungelenks Angaben registrieren die ins Spiel gebrachten Gaststätten bereits Stornierungen.

Umstrittener Landgasthof

BKA-Chef Ziercke hatte erklärt, dass die Familie der Polizistin in Thüringen eine Gaststätte mieten wollte, die aber ein Mann erhielt, gegen den heute als Beschuldigten im Zusammenhang mit dem rechtsextremen "Zwickauer Trio" ermittelt werde. Das Lokal sei ein Treff von Rechtsextremisten gewesen.

Nach Informationen des MDR THÜRINGEN hatte die Gemeinde Lichtenhain bei Oberweißbach im Jahr 2004 oder 2005 den Gasthof an der Bergbahn zur Pacht ausgeschrieben. Beworben hätten sich auch Familienangehörige von Michéle K., sagte der frühere Bürgermeister Ingo Lödel dem MDR. Sie hätten aber die Bedingung der Gemeinde nach einer Investition von 50.000 Euro nicht erfüllen können. Der Zuschlag sei deshalb an David F. gegangen.

Nach damaligen Zeitungsberichten wurde die Gaststätte am 1. Dezember 2005 von einem jungen Paar aus Jena - "er Koch - sie Kellnerin" eröffnet. Der Mann habe sich im Ort wiederholt als Schwager des damaligen Thüringer NPD-Vizechefs Ralf Wohlleben bezeichnet, sagte Lödel.

Nach "einer Veranstaltung mit viel Polizei" - vermutlich ein Konzert im Frühjahr 2006 - sei F. in den Gemeinderat geladen worden. Man habe dort angekündigt, die Pacht zu kündigen, wenn es derartige Auftritte noch einmal gebe. Die Bevölkerung habe die Gaststätte seit dem Zeitpunkt gemieden. F. habe sich noch vor der wirtschaftlichen Pleite zurückgezogen.