Rechtsextremer Terror Weiterer Haftbefehl im Fall der Zwickauer Terrorzelle

Die Bundesanwaltschaft hat einen weiteren mutmaßlichen Helfer der rechtsextremen Terrorgruppe festnehmen lassen. Er wurde bei seinem Bruder in Grabow bei Potsdam gefasst. Außerdem sind zahlreiche Wohnungen durchsucht worden. Ein bereits seit gut einer Woche inhaftierter Unterstützer des Trios will von den Verbrechen der Gruppe indes nichts gewusst haben.

Die Bundesanwaltschaft hat einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer der rechtsterroristischen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" festnehmen lassen. Beamte der GSG 9 nahmen im Landkreis Potsdam-Mittelmark am Donnerstagmorgen den 32-jährigen Andre E. fest.

Hat er die Bekenner-DVD produziert?

Der Mann ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft dringend verdächtig, in zwei Fällen die terroristische Vereinigung unterstützt zu haben. Zudem bestehe gegen ihn der dringende Verdacht der Volksverhetzung und der Beihilfe zur Billigung von Straftaten.

Laut Generalbundesanwalt Harald Range soll Andre E. im Jahr 2007 den menschenverachtenden Propagandafilm hergestellt haben, mit dem sich die terroristische Vereinigung zu den Morden an den neun ausländischen Kleinunternehmern bekannt hat. Auf dem Film finden sich zudem Ausschnitte aus der Berichterstattung über die beiden Sprengstoffanschläge in Köln, die auf eine Urheberschaft des NSU schließen lassen. Gegen Andre E. wurde am Donnerstagnachmittag Haftbefehl erlassen, nachdem er mit einem Hubschrauber zur Bundesanwaltschaft nach Karlsruhe gebracht worden war. Generalbundesanwalt Range sagte im Anschluss, das Machwerk verhöhne die Opfer und zeige ein unfassbares Ausmaß an Menschenverachtung. Zudem sei die Verbreitung des Films geeignet, "Mitbürger ausländischer Herkunft erheblich einzuschüchtern".

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass E. seit 2003 engen Kontakt mit dem Neonazi-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hatte, die 1998 die NSU gebildet hatten. Zudem fanden sie Belege dafür, dass der 32-Jährige 2009 Bahncards für sich und seine Frau gekauft hatte, die er dann an Böhnhardt und Zschäpe weitergab.

Dieses Machwerk verhöhnt die Opfer der terroristischen Verbrechen und zeigt ein unfassbares Ausmaß an Menschenverachtung.

Harald Range Generalbundesanwalt

Verbindungen zur "Brigade Ost"?

Andre E. wird der rechtsextremen Szene rund um die Johanngeorgenstädter Gruppe "Brigade Ost" zugeordnet und soll in Johanngeorgenstadt und Zwickau gewohnt haben. Er war auf dem Gehöft seines Zwillingsbruders Maik E. festgenommen worden, der auch der rechtsextremen Szene angehören soll. Der in Grabow bei Potsdam lebende Mann soll Chef der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten in Brandenburg sein. Auch er wird immer wieder zum Kreis der Verdächtigen gezählt.

Weitere Durchsuchungen in Jena und Dresden

Außerdem haben Beamte der Polizei und des Bundeskriminalamts am Donnerstag die Wohnung von Andre E. in Zwickau sowie drei weitere Wohnungen in Dresden und Jena durchsucht. Insgesamt 90 Polizisten sollen im Einsatz gewesen sein. Die Jenaer Wohnung soll nach Informationen des MDR THÜRINGEN die des früheren NPD-Funktionärs Ralf W. sein, der zuletzt mehrfach als mutmaßlicher Unterstützer der Terrorzelle genannt worden war. Festgenommen wurde W. nicht. Nach Angaben eines Sprechers der Thüringer NPD ist aber Material beschlagnahmt worden.

Holger G. will nichts von Morden gewusst haben

Unterdessen bestreitet der bereits am 13. November bei Hannover festgenommene Holger G. jede aktive Beteiligung an den rechtsextremen Gewalttaten der Gruppe. Er ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er zwar dem Trio vor Jahren seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen habe, von den Morden und Bankrauben, die den drei Zwickauern vorgeworfen werden, habe er aber nichts gewusst. Neben der Überlassung von Papieren soll der Mann mehrfach Wohnmobile für das Trio angemietet haben.

Brigade Ost Die rechte Gruppierung soll sich um die Jahrtausendwende in der Region um Zwickau und Johanngeorgenstadt gegründet haben. Angehörigen der Vereinigung waren zwischen 2000 und 2005 mehrfach Übergriffe auf Linke und das Tragen von verfassungsfeindlichen Symbolen vorgeworfen worden. Einer der mutmaßlichen Anführer der "Brigade Ost" war Matthias D., der für die mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe eine Wohnung in Zwickau angemietet hatte. Außerdem wird vermutet, dass sechs ehemalige Mitstreiter zum Unterstützerkreis des Trios gehören.