Rechte Terrorzelle Anzeige wegen verpasster Festnahme

Die vor Jahren ausgebliebene Festnahme des rechtsextremen Terror-Trios ist nun ein Fall für die Justiz. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet, ist bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Strafvereitlung im Amt eingegangen. Das Magazin beruft sich dabei auf den Chemnitzer Oberstaatsanwalt Bernd Vogel. Die Behörde habe die Anzeige zuständigkeitshalber an die Staatsanwaltschaft Erfurt weitergeleitet, schreibt das Magazin.

Der "Focus" berichtet weiter, dass Zielfahnder des Thüringer Landeskriminalamtes das Trio 2001 in Chemnitz aufgespürt hatten. Dies belege ein Observationsfoto der Polizei. Das Magazin zitiert einen namentlich nicht genannten Thüringer Landtagsabgeordneten. Dieser sagt, dass die drei Täter "glasklar" auf dem Foto zu erkennen gewesen seien.

MDR: Festnahme des Trios wurde abgebrochen

MDR-Recherchen hatten ergeben, dass Zielfahnder des Thüringer Landeskriminalamtes das Trio zwischen 1998 und 1999 in Chemnitz aufgespürt hatten. Dabei soll auch die Möglichkeit bestanden haben, die drei festzunehmen. Kurz vor dem Zugriff wurde der Einsatz jedoch durch das LKA aus unbekanntem Grund abgebrochen. Dies sorgte seinerzeit zu massiven Beschwerden der beteiligten Beamten bei der Amtsleitung. Das LKA widerspricht diesen Informationen. Nach seiner Darstellung hatten die Zielfahnder zwischen 1998 und 2000 zu keinem Zeitpunkt Kenntnis vom Aufenthaltsort der Neonazis gehabt.

Das MDR-Magazin FAKT hatte berichtet, dass auch der Thüringer Verfassungsschutz nach dem Abtauchen des Trios 1998 Kontakt zu den Neonazis aus Jena gehabt haben soll.

Zschäpe offenbar an Mordserie nicht beteiligt

Unterdessen scheint sicher zu sein, dass die Terrorverdächtige Beate Zschäpe nicht direkt an den bundesweiten Morden ihrer beiden Komplizen beteiligt war. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert den Präsidenten des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke mit den Worten, Hinweise auf eine Beteiligung Zschäpes gebe es bisher "deutlich nicht". Die 36-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Zschäpe hatte sich am 8. November der Jenaer Polizei gestellt, vier Tage nachdem sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach umgebracht hatten.

Trio lange vorher im Visier der Behörden

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren Anfang 1998 abgetaucht, nachdem ihre Bombenwerkstatt im Zuge einer Polizeirazzia entdeckt worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte noch kein Haftbefehl gegen die Rechtsextremen vorgelegen. Der Vorwurf einer Polizeipanne wurde seinerzeit zurückgewiesen. Jedoch war bereits im Januar 1997 ein Ermittlungsverfahren gegen das Trio eröffnet worden. Die Drei standen im Verdacht, Briefbombenattrappen an verschiedene Einrichtungen verschickt zu haben.

Gegen Böhnhardt war zum Zeitpunkt der Razzia bereits eine Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verhängt worden - wegen Volksverhetzung, Erpressung und Körperverletzung. Allerdings hatte der Jugendrichter noch keinen Termin für den Haftantritt vorgelegt. Mundlos und Zschäpe waren den Behörden nach MDR-Informationen im Januar 1998 wegen Propaganda-Delikten, Diebstählen und Widerstand gegen die Staatsgewalt längst bekannt.