Rechtsextremes Terror-Trio Ex-Funktionär der NPD in Jena festgenommen

Das Thüringer Landeskriminalamt hat am Dienstag in Jena einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer des rechtsextremen Terror-Trios aus Zwickau festgenommen. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, handelt es sich um den 36-jährigen ehemaligen Vizechef der Thüringer NPD, Ralf W. Der Beschuldigte sei dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs vollendeten und einem versuchten Mord der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" geleistet zu haben. Der Bundesgerichtshof ordnete noch am Dienstag Untersuchungshaft an.

Mit der Festnahme des 36-Jährigen sitzen inzwischen drei mutmaßliche Unterstützer des Trios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in Untersuchungshaft. Am 13. November war in Lauenau in Niedersachsen der 36-jährige Holger G. verhaftet worden, am 24. November in Brandenburg der 32-jährige Andre E.

Die Wohnung von Ralf W. in Jena war in der vergangenen Woche von der Polizei durchsucht worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll W. dem Trio 1998 geholfen haben unterzutauchen. Damals wurde gegen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in Jena wegen des Verdachts ermittelt, Sprengstoffanschläge vorzubereiten. W. soll auch nach ihrer Flucht engen Kontakt zu den Untergetauchten gehalten und sie finanziell unterstützt haben. Außerdem soll er ihnen im Jahr 2001 oder 2002 eine Schusswaffe und Munition beschafft haben, die per Kurier nach Zwickau geschickt wurden.

Desweiteren wird er verdächtigt, den Kontakt zwischen dem Trio und Holger G. vermittelt zu haben. Wegen seiner "anhaltenden Verbindung zu der unter falscher Identität lebenden Gruppe" habe W. von deren terroristischen Straftaten gewusst, erklärte die Bundesanwaltschaft. W. war von Juli 2006 bis Mai 2008 stellvertretender Landesvorsitzender der NPD Thüringen. Er gehört der Partei inzwischen nicht mehr an.

Strafanzeige wegen Fahndungspannen

Der Staatsanwaltschaft Erfurt liegt indes eine Strafanzeige eines Anwalts aus Hamburg gegen frühere Verantwortliche im Thüringer Innenministerium und des Verfassungsschutzes vor. Wie die Behörde dem MDR THÜRINGEN mitteilte, wurde wegen möglicher Pannen bei der Fahndung nach Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt gestellt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, die Anzeige beziehe sich nicht auf einen bestimmten Zeitraum. Es gehe um alle bisher bekannt gewordenen möglichen Fahndungspannen. Nach Informationen von NDR info soll es eine weitere Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt geben, die von dem Hamburger Rechtsextremen Christian Worch erstattet wurde. Der 55-Jährige ist einschlägig vorbestraft und hat mehrjährige Haftstrafe verbüßt.