Zwickauer Terrorzelle BKA rettet Daten von zerstörtem Neonazi-Computer

Die Ermittler haben zwei frühere Entwürfe eines Bekennervideos der Zwickauer Neonazi-Terrorgruppe entdeckt. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Darin würden einige der Morde an Kleinunternehmern sowie der Bombenanschlag in Köln im Jahr 2001 erwähnt. Das Video zeige aber eine "andere Bildersprache" als das bislang bekannte Video mit der Zeichentrickfigur Paulchen Panther. Die Auswertung und Analyse der Festplatte sei noch nicht abgeschlossen.

Weitere Dateien sind auf dem Rechner

Der ARD-Terrorexperte Joachim Hagen erklärte bei MDR INFO, die nun wiederhergestellten Videos seien zwei Vorläuferversionen des Bekenner-Videos, das wenige Tage nach der Entdeckung der Terrorzelle aufgetaucht war. Sie seien auf dem Computer als Arbeitskopien abgespeichert worden, der in dem zerstörten Haus in Zwickau gefunden wurde. Hagen sprach von einem Fortschritt bei den Ermittlungen. Es sei erstaunlich, dass es gelungen sei, die verbrannte Festplatte zu rekonstruieren. Die Ermittler setzten große Hoffnungen auf die Computer und die Waffen, die in der verbrannten Zwickauer Wohnung gefunden worden seien. Die Computer enthielten noch viele andere Dateien. Damit widersprach der ARD-Terrorexperte der "Bild-Zeitung", die von zwei neuen Bekennervideos berichtet hatte. Diese würden belegen, dass die Terror-Gruppe ihre Taten von Anfang an als Mordserie geplant habe. Die Terrorzelle aus Zwickau wird für die Morde an neun türkischen und griechischen Kleinunternehmern sowie einer Polizistin verantwortlich gemacht.

Ermittlungen gegen bis zu 20 mutmaßliche Unterstützer

Neben den beschlagnahmten Computern und Waffen, die in der zerstörten Zwickauer-Wohnung und dem Wohnwagen in Eisenach gefunden wurden, konzentrieren sich die Ermittler vor allem auf mögliche Unterstützer des rechten Terror-Trios. Am Sonntag gab es bereits die vierte Festnahme. Nach Informationen des ARD-Terrorexperten Hagen ermittelt das BKA momentan gegen bis zu 20 weitere Personen. Wobei diese Ermittlungen äußerst spannend und dynamisch seien, da sich mit jeder Vernehmung eine weitere Spur ergebe.

Matthias D. sitzt in Untersuchungshaft

Am Montagabend hatte der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Untersuchungshaft gegen einen mutmaßlichen Helfer angeordnet. Der 36-jährige Matthias D. aus Johanngeorgenstadt soll den Mitgliedern ein Leben im Untergrund ermöglicht haben. Er soll Wohnungen in Zwickau angemietet und die Ziele des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) und damit auch deren Verbrechen billigend in Kauf genommen haben.