Rechtsextremes Terror-Trio Anwalt: Zschäpe hat mich 2010 in Erfurt angesprochen

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat im Jahr 2010 in Erfurt möglicherweise Kontakt mit einem Strafverteidiger aufgenommen. Ein Anwalt aus Baden-Württemberg sagte MDR THÜRINGEN und SWR-info, dass bei einem Prozess gegen Mitglieder des Rockerclubs "Bandidos" am Landgericht Erfurt eine Frau im Gerichtssaal auf ihn zugekommen sei. Die Frau sei in Begleitung von zwei Männern gewesen und habe gesagt, dass sie einen Anwalt brauche.

Nach dem Auffliegen des Neonazi-Trios im November 2011 glaubte der Anwalt, die Frau auf den Fahndungsplakaten als Beate Zschäpe zu erkennen. "Als ich die Bilder gesehen habe, habe ich mich an die Szene im Gerichtssaal erinnert", sagte der Anwalt weiter. Auch einer der beiden Begleiter habe Ähnlichkeiten mit einem der gesuchten mutmaßlichen Terroristen gehabt. Er habe dann seine Beobachtung den Justizbehörden in Thüringen gemeldet. An einen konkreten Termin könne er sich nicht mehr erinnern.

Ob es sich bei der Frau tatsächlich um Beate Zschäpe handelte, ist noch nicht geklärt. Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger sagte auf MDR-Anfrage, es gebe Hinweise, dass es so gewesen sein könnte. Die Bundesanwaltschaft bestätigte dem MDR, dass dieser Vorgang überprüft werde.

Der Anwalt hatte 2010 bis 2011 am Erfurter Landgericht ein Mitglied des Rockerclubs "Bandidos" vertreten. Wegen der Sicherheitsbestimmungen mussten Besucher damals ihre Personalien angeben, um in den Gerichtssaal zu gelangen. Ein Videowagen der Polizei filmte jeden Besucher, der das Landgericht betreten hatte. Ob die Aufnahmen noch existieren, ist noch nicht bekannt. Die Sprecherin des Justizministeriums, Doreen Tietz, sagte der Nachrichtenagentur dpa, es seien Anwesenheitslisten der Besucher geführt worden, diese seien aber auf Anweisung des Richters nach Ende des Prozesses aus datenschutzrechtlichen Gründen vernichtet worden. Nach ihren Angaben hatte sich der Rechtsanwalt aus Konstanz Ende November oder Anfang Dezember 2011 bei der Staatsanwaltschaft Gera gemeldet.

Mutmaßlicher Unterstützer bleibt in Haft

Unterdessen lehnte der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag bei einem Haftprüfungstermin die Entlassung des mutmaßlichen Helfers der Terrorzelle André E. ab. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft bestätigte der Ermittlungsrichter des BGH den dringenden Tatverdacht gegen den 32-jährigen Mann aus Zwickau. Ihm wird vorgeworfen, an der Produktion des "Bekennervideos" des "Nationalsozialistischen Untergrunds" mitgewirkt zu haben, von dem Exemplare in den Trümmern der zuletzt von dem Trio bewohnten Wohnung in Zwickau gefunden wurden. E. war am 23. November 2011 in Brandenburg festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.