Rechtsextremes Terrortrio Sächsische Neonazis halfen Trio beim Untertauchen

Frühjahr 2000, an einem Parkplatz an der Autobahn 4 zwischen Jena und Chemnitz: Der Rechtsextremist Jan W. wartet auf die Kurierfahrer aus Thüringen. Sie sollen brisante Fracht im Gepäck haben: persönliche Gegenstände der untergetauchten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Was wie eine Anekdote aus dem Untergrundleben des Jenaer Terror-Trios klingt, ist eine geheimdienstliche Information. Zu finden auf Seite 20 eines streng geheimen Berichtes des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) vom 23. Januar dieses Jahres, der dem MDR THÜRINGEN vorliegt.

Übergabe auf Autobahn-Parkplatz

Dort steht, "dabei soll W. auch persönliche Gegenstände der drei Flüchtigen, die von diesen geordert worden seien, von nicht bekannten thüringischen Rechtsextremisten an Raststätten der BAB 4 entgegengenommen haben". Hatte W. also persönlichen Kontakt zu den Dreien oder wusste er gar, wo sie sich aufhielten?

Der sächsische Aktivist war laut Bericht wohl intensiv in die Flucht der drei eingebunden. So notiert der sächsische Verfassungsschutz am 25. Mai 2000, der Polizei lägen Informationen vor, nach denen W. intensiven Kontakt zu Trio-Unterstützern aus Thüringen gehabt haben soll. Gewonnen wurden diese Informationen bei Abhöraktionen des Thüringer Landeskriminalamts (LKA). So habe W. die "logistische Abdeckung von Versorgungsfahrten für die Gesuchten" oblegen, halten die Beamten fest.

Thüringer Landeskriminalamt war Trio offenbar dicht auf den Fersen

Der aktuelle Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz ermöglicht auch erstmals einen detaillierten Blick darauf, wie das Thüringer Landeskriminalamt in dieser Zeit operiert hat. Die Rolle des LKA ist bisher kaum aufgearbeitet worden. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass die 24 Kriminalakten, die das LKA zwischen 1997 und 2003 über das Trio angelegt hatte, bisher nur der Bundesanwaltschaft und der sogenannten Schäfer-Kommission, die in Thüringen die gesamten Vorgänge aufarbeiten soll, vorliegen. Doch einige Informationen sind über den Nachrichtenaustausch zwischen Polizei und Geheimdienst nun auch in diesen Bericht eingegangen.

So geht aus dem BfV-Papier hervor, dass das LKA bereits kurz nach dem Abtauchen des Bombenbauer-Trios von Jena konkrete Hinweise auf einen möglichen Unterschlupf hatte. Demnach sollen sächsische Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bereits im Februar/März 1998 nach Chemnitz gebracht haben. Die Informationen stammen aus Abhör-Aktionen der Thüringer Polizisten. Nach Recherchen des MDR THÜRINGEN soll das LKA damals bis zu 30 Telefone von möglichen Unterstützern überwacht haben. Bis zu einem geplanten Zugriff im Herbst 2000 in Chemnitz überwachten Thüringer Zielfahnder und Staatsschützer Dutzende Telefonanschlüsse und öffentliche Telefonzellen. Bereits im September hören die Fahnder Aktivisten der inzwischen verbotenen Neonazi-Organisation "Blood & Honour" in Sachsen ab. Dabei bringen sie auch in Erfahrung, dass die Rechtsextremisten planten, für das untergetauchte Trio Waffen und Pässe zu besorgen.