Brisanter Fund Sprengsatz 1995 in Jenaer Kaufhaus entdeckt

Auf das frühere Horten-Kaufhaus in Jena ist Mitte der 1990er-Jahre ein Bombenanschlag versucht worden. Nach Recherchen des MDR THÜRINGEN wurde 1995 nach der Schließung des Kaufhauses hinter einer Trennwand eine funktionsfähige Bombe gefunden. Die Polizei konnte damals keine Täter ermitteln. Das Landeskriminalamt bestätigte, dass in dem Sprengsatz TNT enthalten war. Nach Angaben des LKA gab es aber keine Verbindung zu Sprengsätzen des Jenaer Terrortrios in den Jahren 1997 und 1998.

Noch heute atmen Ermittler tief durch, wenn sie auf den Vorfall von 1995 angesprochen werden. Es hätte dramatisch enden können für die Kunden, die durch das damalige Horten-Kaufhaus in Jena gelaufen sind. Niemand ahnte, dass sich hinter einer Trockenbau-Trennwand eine Bombe befand.

Bombenfund nach Schließung des Kaufhauses

Entdeckt wurde die Bombe erst, nachdem das Kaufhaus bereits geschlossen worden war. Beim Ausbau von Garderobenständern, Ankleidekabinen und Auslagen wurde ein funktionsfähiger Sprengsatz gefunden. Dass es ernst war, lässt eine Antwort des Thüringer Landeskriminalamtes auf eine Anfrage des MDR THÜRINGEN schließen. Denn in dem Sprengsatz war TNT enthalten. Wie viel, wird offiziell nicht gesagt. Nach Recherchen des MDR sollen es mehr als 70 Gramm gewesen sein. Nach Angaben der Polizei konnten damals keine Täter ermittelt werden. Auch Motive und Hintergründe sind nicht klar.

LKA: Kein Zusammenhang zu Bomben des Jenaer Trios

Einen Zusammenhang mit den Sprengsätzen des Jenaer Bombentrios 1997/98 fand das LKA nicht. Doch wollte die Polizei auch keine Täter aus der damals aktiven militanten rechtsextremen Szene ausschließen. Zwischen 1996 und 1998 wurden in Jena verschiedene Sprengsätze und Attrappen gefunden. Bekannt wurden Funde von mit Hakenkreuzen versehenen Sprengsätzen oder Attrappen an der Autobahn, im Stadion, auf dem Nordfriedhof und vor dem Theaterhaus. Außerdem erhielten die Polizei, die Stadtverwaltung und eine Zeitungsredaktion Briefbombenattrappen. Auch diese waren mit Hakenkreuzen versehen.

Großteil der Akten und Beweisstücke vernichtet

Die Aufarbeitung ist schwierig, weil die Akten zu einem großen Teil nicht mehr vorhanden sind. Die Fälle sind alle verjährt, und deshalb wurden die Papiere durch den Reißwolf geschoben. Auch die Asservate sind nicht mehr vorhanden. So wurden das Schwarzpulver und das TNT, das in den Rohrbomben war, die man 1998 in der Garage von Beate Zschäpe gefunden hatte, 2004 vernichtet.

Zu lesen ist das in einer Antwort des Thüringer Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Somit kann auch die Herkunft des TNT nicht mehr geklärt werden. In dem Schreiben, das dem MDR THÜRINGEN vorliegt, heißt es: "Rückschlüsse auf den Hersteller von TNT konnten aufgrund der minderen Qualität und der mangelnden Übereinstimmung mit dem Vergleichsmaterial nicht gezogen werden." Dabei hatte das LKA damals nichts unversucht gelassen, um die Herkunft zu klären. Auch ein Gutachten des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe wurde angefordert. Die WIWB-Experten kamen zu dem Schluss, dass es sich "mit großer Wahrscheinlichkeit" nicht um TNT aus Beständen der Bundeswehr handelte.

Bombenfund auch 1997 in Stadtroda

Bereits am 20. November des vergangenen Jahres berichtete der MDR THÜRINGEN über einen weiteren Bombenfund im Jahr 1997. In einer Unterkunft für portugiesische Gastarbeiter in Stadtroda fand ein Hausmeister einen funktionsfähigen Sprengsatz. Abgelegt war er neben einem Heizungskessel. Zu den Hintergründen der Tat wurde damals nichts weiter ermittelt.

Das Innenministerium schreibt dazu, es "liegen aufgrund der gesetzlichen Vorschriften zu Verjährungs- und Aussonderungsfristen keine weiterführenden Erkenntnisse mehr vor". Doch nach MDR-Informationen aus Kreisen der Polizeiabteilung des Innenministeriums war die Explosion der Bombe damals nur an einem falsch eingestellten Zünder gescheitert.