Zwickauer Terrorzelle Böhnhardts Mutter findet NSU-Morde unverzeihlich

Die Mutter des rechtsextremen Terroristen Uwe Böhnhardt hat sich öffentlich zu den Taten ihres Sohnes geäußert. Im ARD-Magazin "Panorama" sagte sie, was ihr Sohn getan habe, tue ihr unendlich leid. Sie denke täglich an die Opfer. Die Taten der Zwickauer Terrorzelle könne man nicht verzeihen. Sie selbst habe nichts von den zehn Morden des Trios gewusst.

Lange den Kontakt gehalten

Die Mutter sagte in dem Magazin, ihr Sohn sei das Nesthäkchen der Familie gewesen, habe sich aber in der Pubertät immer weiter von den Eltern entfernt, habe die Schule geschwänzt und sei in die rechte Szene abgeglitten. Keine Schule in Jena habe ihn haben wollen, mit 15 Jahren sei er zum ersten Mal ins Gefängnis gekommen.

Dennoch hätten die Eltern auch nach dem Abtauchen in die Illegalität 1998 noch Kontakt zu ihrem Sohn gehabt. Sie hätten Zettel mit Uhrzeit und Ort gefunden, sich an Telefonzellen eingefunden und seien dort von ihrem Sohn angerufen worden. Auch habe es Treffen in einem Park gegeben. Einmal sei dabei auch über einen Ausstieg geredet worden: "Unser Sohn und Beate Zschäpe haben gesagt, sie würden sich stellen. Aber der Uwe Mundlos war nicht bereit." Beim letzten Treffen 2002 habe ihr Sohn sie noch einmal umarmt: "Dass sie uns umarmen können und haben schon vier Menschen getötet - das kann ich bis heute nicht fassen."

13 Jahre im Untergrund

Uwe Böhnhardt stammt ursprünglich aus Jena. Er gehörte mit Uwe Mundlos und Beate Zschäpe dem rechtsterroristischen Trio "Nationalsozialistischer Untergrund" ("NSU") an. 1998 waren die drei in Jena in die Illegalität abgetaucht. Dem Terrortrio werden seit 1998 mindestens zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle zur Last gelegt.

Seit 2001 operierten sie von Zwickau aus. Ihr letzter Unterschlupf, den Zschäpe nach einem misslungenen Banküberfall in die Luft gejagt haben soll, soll ab kommenden Montag abgerissen werden. Mundlos und Böhnhardt hatten sich nach einem Banküberfall in Thüringen erschossen. Seit Dienstag untersucht ein Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtags mögliche Versäumnisse sächsischer Behörden bei der Aufklärung der Fälle. Mit möglichen Pannen bei der Ermittlungsarbeit um den NSU befassen sich auch Ausschüsse in Thüringen und im Bundestag.