Zwickau Start für Abriss von Neonazi-Unterschlupf

Im Zwickauer Stadtteil Weißenborn hat am Dienstag der Abriss des letzten Verstecks der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) begonnen. Nach Vorarbeiten am Montag wird das Haus in der Frühlingsstraße seit Dienstag entkernt und ansschließend abgetragen. Die elf Jahre lang abgetauchten Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hatten hier von 2008 bis zu ihrer Enttarnung im vergangenen Jahr gewohnt.

Kurz nachdem sich die beiden Männer nach einem Banküberfall in Thüringen umgebracht hatten, um der Festnahme zu entgehen, gab es in ihrer Zwickauer Wohnung eine Explosion. Die Ermittler gehen davon aus, dass ihre Komplizin, Beate Zschäpe, damit Beweise vernichten wollte. Die Brand konnte aber schnell gelöscht, Unterlagen sowie Waffen und andere Beweismittel sichergestellt werden.

Grünfläche statt Wallfahrtsstätte

Der letzte Privateigentümer wollte die Doppelhaushälfte ursprünglich erhalten. Er plante, nur den zerstörten oberen Teil abzutragen und das intakte Erdgeschoss wieder aufzustocken. Die Stadt Zwickau dagegen wollte unbedingt verhindern, dass ein Wallfahrtsort für Rechtsextreme entsteht. Sie erwarb deshalb Haus und Boden über eine städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft. Hier soll künftig nichts mehr an den rund dreijährigen Aufenthalt der Gruppe erinnern, die für mindestens zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 14 Banküberfälle verantwortlich gemacht wird.

Wie eine Sprecherin der Grundstücksgesellschaft mitteilte, wird zunächst der beschädigte Teil des Doppelhauses abgerissen, anschließend die noch intakte Hälfte. Danach soll der angrenzende Park auf das Grundstück ausgedehnt werden. Die gesamten Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Mai kosten knapp 65.000 Euro. Den Großteil der Summe übernimmt der Freistaat. Zwickau muss lediglich einen Eigenanteil von 6.400 Euro beisteuern.

Berichte über neue Ermittlungspannen

Unterdessen gehen die Ermittlungen zur Terrorzelle NSU und die Aufarbeitung möglicher Versäumnisse der Behörden bei der Aufklärung ihrer Taten weiter. Medienberichten zufolge sind dabei weitere Pannen bekannt geworden. So schreibt das Magazin "Der Spiegel", bayerische Fahnder hätten 2006 die mutmaßliche NSU-Unterstützerin Mandy S. auf einer Liste von 682 verdächtigen Rechtsextremisten gehabt. Der thüringische und sächsische Verfassungsschutz hätten in ihr schon damals eine Kontaktperson des untergetauchten Terrortrios vermutet, doch die Informationen der verschiedenen Behörden seien nicht zusammengeführt worden.

ZDF-Recherchen zufolge soll zudem Sachsens Verfassungsschutz Ende Juli 2000 ein Treffen der rechtsextremen "Weißen Bruderschaft Erzgebirge" in Johanngeorgenstadt observiert haben. An ihm soll auch der damals bereits per Haftbefehl gesuchte Uwe Mundlos teilgenommen haben. Die Behörde habe aber offenbar weder die Polizei noch andere Verfassungsschutzämter darüber informiert. Der sächsische Verfassungsschutz erklärte dem Sender, man habe Mundlos nach seinem Abtauchen 1998 nicht observiert. Andersartige Erkenntnisse seien dem Amt nicht bekannt.