Zwickauer Trio Roewer: Eltern haben Auffinden des Trios verhindert

Der frühere Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, Helmut Roewer, hat den Eltern der drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe indirekt die Schuld daran gegeben, dass die Untergetauchten nicht gefasst werden konnten. In seinem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Buch "Nur für den Dienstgebrauch" schreibt Roewer, im März 1998 sei der Landesverfassungsschutz nur Millimeter davon entfernt gewesen, die Untergetauchten aufzuspüren. Doch die Eltern der Neonazis hätten das verhindert.

Roewer berichtet über eine Begegnung mit einem der Väter der Terroristen. Er habe dem Mann in Aussicht gestellt, als Vermittler aufzutreten. Der Vater habe geantwortet, er kenne den Unterschlupf des Trios nicht. "Heute weiß ich, dass ich belogen worden bin", schreibt Roewer. Die Eltern hätten verschwiegen, dass die Gesuchten zu diesem Zeitpunkt in Chemnitz waren.

In einem Gespräch mit dem MDR THÜRINGEN im Februar dieses Jahres hatte Roewer ebenfalls von dieser Begegnung berichtet. Die Eltern hätten ihn, Roewer, damals offenbar als eine Art "rechtsfreien Sozialhelfer" angesehen, der den Untergetauchten Straffreiheit zusichern könne.

Scharfe Kritik an politischen Zuständen in Thüringen

In seinem Buch beschreibt Roewer seine Erlebnisse als Chef des Thüringer Verfassungsschutzes von 1994 bis 2000. Seine Beschreibung der politischen Führung in Thüringen in diesen Jahren fällt dabei sehr kritisch aus. Über Jahre habe eine "Clique rheinischer Katholiken eine geduldige Schafsherde von Gottlosen regiert. Ich bekam es in Thüringen mit einer Kaste zu tun, die den Staat als Selbstbedienungsladen nutzt".

Roewer selbst ist indes ebenfalls umstritten. Ehemalige Untergebene sprachen bei Anhörungen vor dem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages zum NSU-Terrortrio von chaotischer Amtsführung des einstigen Verfassungsschutzschefs. Roewer war im Jahr 2000 von seinem Amt suspendiert worden.