Zwickauer Trio Beamte bedauern unzureichende Listen-Auswertung

Zwei an der Fahndung nach den Anfang 1998 untergetauchten Jenaer Rechtsextremisten Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe beteiligte Beamte habe am Freitag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages bedauert, damals gefundene Dokumente nicht gründlich genug ausgewertet zu haben. Dabei ging es vor allem um eine von Polizisten bei der Durchsuchung einer von dem Trio genutzten Garage in Jena gefundene Liste mit Adressen und Telefonnummern.

So sagte der Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) Michael Brümmendorf, es sei ein Fehler gewesen, die Liste damals nicht mit zum BKA genommen, sondern sie in Thüringen gelassen zu haben. Brümmendorf hatte das Papier nach eigenen Angaben damals mit einem Vermerk versehen und an das LKA weitergegeben. Der vom Ausschuss ebenfalls befragte LKA-Beamte Jürgen Dressler konnte sich nach eigenen Angaben aber nicht daran erinnern, ob er die Liste bekommen hat. Es sei aber ein Fehler gewesen, dass das Dokument damals nicht ausgewertet worden sei.

Zweite Liste?

Keine Erinnerung hatten die beiden Beamten an eine zweite Liste, die ebenfalls im Januar 1998 in der Garage gefunden worden war. Deren Existenz war dem Bundestagsausschuss erst vor kurzem bekannt geworden, was bei Mitgliedern des Gremiums für Empörung sorgte. Das Bundeskriminalamt hatte das Papier erst jetzt dem Ausschuss übermittelt. Auch darauf waren Kontaktdaten von Personen aus dem Umfeld der Untergetauchten notiert.

Nach Einschätzung von Mitgliedern des Untersuchungsausschusses hätte eine intensivere Auswertung der Adresslisten die Fahnder möglicherweise auf die Spur der drei Untergetauchten geführt. "Die Liste wäre wie ein Sechser im Lotto gewesen", sagte der Grünen-Obmann im Ausschuss, Wolfgang Wieland.

Auf einer dieser Listen stand unter anderem der Name des Rechtsextremisten Thomas S. Wie sich nach dem Auffliegen des Trios im November 2011 herausstellte, gewährte S. den Jenaer Rechtsextremisten in den ersten Zeit nach ihrem Verschwinden Unterschlupf.