MDR-Recherchen NSU plante offenbar auch Bankraub in Gotha

Die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos haben ihre Banküberfälle vom Herbst 2011 in Thüringen offenbar Wochen vorher geplant. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN waren sie vom 22. bis 25. August auf einem Campingplatz in Catterfeld im Landkreis Gotha. Für 50,74 EUR haben sie dort in einem Transporter übernachtet.

Das Handout des Bundeskriminalamtes zeigt das mutmaßliche Mitglied der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), Uwe Mundlos.
Oft getarnt als harmloser Tourist: Uwe Mundlos Bildrechte: BKA

Den Wagen hatten sie am 21. August um 19:20 Uhr in einer Autovermietung in Zwickau abgeholt. Gemietet wurde der Transporter unter dem Namen Holger G. Dies war eine der geliehenen Identitäten für Uwe Böhnhardt. Holger G. ist einer der Beschuldigten im Prozess am Oberlandesgericht München.

Nach Informationen von MDR THÜRINGEN geht das Bundeskriminalamt davon aus, dass Mundlos und Böhnhardt von Catterfeld aus die Banken in Arnstadt und Eisenach ausgespäht haben, die sie im September und November 2011 dann ausraubten. Zudem planten sie offenbar einen Überfall auf die Kreissparkasse in Gotha. MDR THÜRINGEN liegt eine handschriftliche Skizze von den Bankinnenräumen vor.

BKA zog rasch Verbindungen zu anderen Fällen

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN hat das BKA bereits zwei Tage nach dem Auffliegen der Terrorzelle in Eisenach am 4. November 2011 begonnen zu prüfen, ob es eine Beziehung von Böhnhardt und Mundlos zu anderen, bisher ungeklärten Straftaten geben könnte. In vertraulichen Dokumenten des Thüringer Innenministeriums ist eine Kommunikation vom 6. November mit dem Lagezentrum des Bundesinnenministeriums zu finden. Dort heißt es: "Vorgänge zum Sachverhalt mit Bezug zu anderen Straftaten in anderen Bundesländern (Feststellung Waffe aus Mord an Polizeibeamtin aus Baden-Württemberg)." Auf Nachfrage aus Thüringen zur Quelle der Information gibt das Bundesinnenministerium an, es handle sich um das Bundeskriminalamt, welches derzeit prüfe. In dem ausgebrannten Wohnmobil war die Dienstwaffe der 2007 erschossenen Thüringer Polizistin Michèle K. gefunden worden. Erst am 11. November zog der Generalbundesanwalt offiziell das Verfahren an sich.