Erfurter Ermittlungen gegen Zschäpe Zeuge erinnert sich an Vorfall am Silvesterabend 1996

Im Zusammenhang mit dem Erfurter Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe hat sich ein weiterer möglicher Zeuge gemeldet. Ein 54-jähriger Mecklenburger teilte dem MDR THÜRINGEN zu dem Vorfall am Erfurter Hauptbahnhof am Silvesterabend 1996 mit: "Es ist geschossen worden." Er bestätigte damit entsprechende Erinnerungen der Berliner Filmemacher Dominik und Benjamin Reding. Diese hatten dem MDR berichtet, damals von drei Neonazis attackiert und beschossen worden zu sein. Sie zeigten sich überzeugt, dass es sich bei den Angreifern von damals um die späteren mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe handelte.

Der Zeuge aus Mecklenburg kann sich nach eigenen Angaben an den Vorfall von damals und an die Brüder Reding gut erinnern. Nach seinen Angaben saß er zufällig im selben Zug von Berlin nach Erfurt und wollte wie die Redings nach Ilmenau zu einer Party weiterreisen. Beim Zwischenstopp in der Erfurter Mitropa-Gaststätte habe es "Ärger mit den Nazis" gegeben - bis "kurz vor einer Schlägerei". Zwar könne er von den Neonazis "nie und nimmer eine der beteiligten Personen identifizieren", so der Zeuge weiter. Sehr konkret sind aber seine Erinnerungen an den Weg zum Bahnsteig: "Ich weiß noch, dass wir das Bahnhofscafé verließen und links zum Zug gingen. Aus den Augenwinkeln sah ich rechts in einer Ecke des Bahnsteiges ein farbiges Paar. Und ich dachte mir noch: Hoffentlich werden die von den Rechten nicht entdeckt." Dann seien Schüsse gefallen. Bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft hat sich der Mann bisher nicht gemeldet.

Staatsanwaltschaft: Bisher keine neuen Erkenntnisse

Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen Zschäpe wegen des Vorwurfs eines mittäterschaftlichen Tötungsversuchs. Oberstaatsanwältin Anette Schmitter-Hell sagte MDR THÜRINGEN dazu am Dienstag, bisher gebe es keinerlei Informationen, die einen solchen Verdacht erhärten könnten. Inzwischen seien neun Bahn-Mitarbeiter befragt worden, die auf der Strecke Erfurt-Ilmenau eingesetzt waren. Von diesen habe aber keiner am Silvesterabend Dienst gehabt. "Über den von den Zeugen beschriebenen Vorfall konnten sie nichts sagen." Bestätigt hat die Staatsanwaltschaft MDR THÜRINGEN Informationen, wonach sich zwei Bahnpolizisten an Schüsse erinnern. Diese Polizisten können nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber kein konkretes Datum nennen.