Nach Vorfall im Jahr 1996 Erfurter Ermittlungsverfahren gegen Zschäpe eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat ihre Ermittlungen gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe im Zusammenhang mit einem Angriff auf zwei Männer im Jahr 1996 eingestellt. Wie Oberstaatsanwältin Anette Schmitt-ter Hell MDR THÜRINGEN sagte, haben sich aus Zeugenaussagen keine Anhaltspunkte ergeben, dass Zschäpe damals in eine mögliche Schießerei unmittelbar verwickelt war.

Damals waren zwei Männer aus Hamburg im Erfurter Hauptbahnhof von mehreren Personen, die offensichtlich der rechtsextremen Szene angehörten, attackiert worden. Die beiden Männer hatten den Vorfall erst vor einigen Monaten öffentlich gemacht und berichtet, sie seien am Silvesterabend 1996 von zwei Männern und einer Frau angegriffen und beschossen worden. Ihren Angaben zufolge soll es sich bei den Angreifern um Zschäpe und deren Kompagnons Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehandelt haben. Eine Anzeige hatten die Zeugen nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt des Vorfalls aus Angst nicht erstattet.

Oberststaatsanwältin Schmitt-ter Hell sagte dem MDR, mehrere Zeugen hätten sich bei den Befragungen an Schüsse erinnern können, darunter auch Beamte der Bundespolizei. Allerdings seien die Schüsse vermutlich aus einer Gruppe von Männern abgegeben worden, so dass ein Verdacht gegen Beate Zschäpe entfalle. Überdies sei nicht mehr zu klären, ob die Schüsse mit Tötungsabsicht abgegeben worden seien, weil Einschusslöcher oder andere Indizien heute nicht mehr zu finden seien. Dienstprotokolle der Bundespolizei gebe es nicht mehr. Auch die DNA-Untersuchung eines Aufnähers an der Jacke eines Zeugen, den einer der Angreifer berührt hatte, habe keine Ergebnisse erbracht. Das Ermittlungsverfahren hatte sich nur gegen Zschäpe gerichtet, weil Mundlos und Böhnhardt nicht mehr leben. Sie hatten sich im November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach selbst getötet.

Zschäpe wird seit dem 6. Mai vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gemacht. Ihr wird vorgeworfen, gemeinsam mit Böhnhardt und Mundlos die terroristische Vereinigung NSU gegründet zu haben und an mehreren Morden und weiteren Straftaten beteiligt gewesen zu sein.