NSU-Untersuchungsausschus Vater von Mundlos kritisiert Thüringer Polizei

Der Vater des mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen Uwe Mundlos hat den Sicherheitsbehörden vorgeworfen, seinen Anfang 1998 untergetauchten Sohn und dessen Komplizen bewusst nicht behelligt zu haben. Siegfried Mundlos sagte am Montag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages: "Man hat gewusst, wo die sind, dass die in Chemnitz sind. Man hätte die in den ersten vier Wochen fassen können." Die Zielfahnder des Landeskriminalamtes hätten von Anfang an eindeutige Hinweise gehabt, wo sein Sohn gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe untergetaucht seien.

Auch der Verfassungsschutz habe damals so viele Spitzel im Umfeld seines Sohnes gehabt, dass es unmöglich sei, dass der Geheimdienst nichts vom Aufenthaltsort der Drei in Chemnitz gewusst haben wolle, sagte Mundlos weiter.

Scharf kritisierte er die damaligen Zahlungen des Thüringer Verfassungsschutzes an den rechtsextremen V-Mann Tino Brandt. Die etwa 200.000 D-Mark, die dieser für seine Spitzeltätigkeit erhalten haben soll, habe Brandt in die rechte Szene investiert und so den rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" aufgebaut. "Der THS wäre nie so gediehen, wenn der Thüringer Verfassungsschutz da nicht tüchtig Steuergelder reingesteckt hätte", sagte Mundlos.

Viele Hinweise in Richtung Sachsen

Die drei Rechtsextremen waren Ende Januar 1998 untergetaucht, nachdem in einer von ihnen genutzten Garage in Jena Sprengstoff gefunden worden war. Gegen die drei wurde im Zusammenhang mit Bombenattrappen ermittelt, die im Stadtgebiet von Jena aufgetaucht waren. Polizei und Verfassungsschutz suchten in den folgenden Monaten intensiv nach ihnen und ging dabei auch Hinweisen nach, dass die Gruppe sich im Raum Chemnitz aufhalte. Thüringer und sächsische Sicherheitsbehörden erklärten indes - auch vor dem Thüringer Untersuchungsausschuss -, man habe das Trio in Chemnitz nicht ausmachen können.

Siegfried Mundlos berichtete am Montag vor dem Ausschuss von einem Gespräch mit den Eltern von Uwe Böhnhardt kurz nach dem Untertauchen des Trios. Diese hätten ihm erzählt, ihre Söhne und Zschäpe seien bei Verwandten auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern untergekommen. Mundlos sagte, er habe dies auch einem Zielfahnder des Thüringer Landeskriminalamtes gesagt.

War Zschäpe Informantin des Verfassungsschutzes?

Siegfried Mundlos hatte 2005 eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Damit wollte er die Behörden zwingen, weiter nach seinem untergetauchten Sohn zu fahnden. Außerdem sollte es in seiner Befragung am Montag auch um einen Brief gehen, den Siegfried Mundlos erhalten haben soll. Darin stand angeblich, dass Beate Zschäpe Informantin des Verfassungsschutzes gewesen sei.

Zschäpe ist vor dem Oberlandesgericht München als Mittäterin bei allen Verbrechen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt angeklagt. Die Männer hatten sich 2011 das Leben genommen, nachdem sie von der Polizei nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil entdeckt worden waren. In den Jahren zuvor sollen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe als Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" in Chemnitz und Zwickau unerkannt gelebt haben. Die beiden Männer sollen deutschlandweit neun Migranten sowie in Heilbronn die Polizistin Michele Kiesewetter ermordet haben. Der Untersuchungsausschuss des Landtags soll mögliche Versäumnisse der Sicherheitsbehörden bei der Fahndung aufdecken.