NSU-Prozess in München Chance zum Aufdecken des Terrortrios 2007 verpasst

Die sächsische Polizei war den drei mutmaßlichen NSU-Terroristen unwissentlich dicht auf den Fersen. Das bestätigte am Montag ein Beamter der Zwickauer Kriminalpolizei im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Demnach hatte er 2007 nach einem Wasserschaden in einer Zwickauer Wohnung eine Nachbarin befragt, bei der es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um die Angeklagte Beate Zschäpe handelte.

Kein Misstrauen trotz unterschiedlicher Namen

Der Fall war bei der Kriminalpolizei gelandet, weil neben dem Wasserschaden auch zu einem möglichen Diebstahl ermittelt wurde. Dem Polizist zufolge hatten Nachbarn ihm gesagt, die Frau, die er befragen wolle, heiße Lisa Dienelt. Der Name Dienelt habe auch an der Wohnungstür gestanden. Die Frau habe sie sich jedoch als Susann E. vorgestellt und bei ihrer Zeugenaussage auch einen entsprechenden Ausweis vorgelegt. Es sei zwar anfangs wegen der verschiedenen Namen eine "etwas komische Sache" gewesen, sagte der Beamte vor Gericht. Sein fehlendes Misstrauen erklärte er damit, in der besagten Woche sehr wenig Zeit gehabt zu haben. Zudem sei die Frau für seine Ermittlungen als Zeugin ausgefallen - sie habe erklärt, ihre persönlichen Sachen seien nicht von dem Wasserschaden betroffen gewesen.

Der sächsische Beamte konnte sich in München, wie auch schon bei einer Befragung durch Ermittler des Bundeskriminalamts 2011, nicht mehr an das Gesicht der damals von ihm befragten Frau erinnern. Er erkannte auch im Gerichtssaal Beate Zschäpe nicht als die damalige Zeugin wieder.

Das vorletzte Versteck des NSU-Trios

Lisa Dienelt und Susann E. waren nach bisherigen Ermittlungen Decknamen, die Beate Zschäpe verwendete. In der Wohnung in der Zwickauer Polenzstraße lebte sie zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt von 2001 bis zum späteren Umzug in die Frühlingsstraße, dem letzten Unterschlupf vor dem Auffliegen des untergetauchten Trios 2011. Dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt. Zschäpe ist bei dem Prozess in München als Mittäterin bei allen Anschlägen angeklagt.