NSU-Prozess Mundlos' Vater beschimpft Richter als "Klugsch ..."

Als der Vater des mußmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Siegfried Mundlos, im November vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags aussagte, erhob er schwere Vorwürfe gegen die Behörden, vor allem gegen den Verfassungsschutz. Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München wiederholt sich das Muster - zum Unwillen des Vorsitzenden Manfred Götzl. Später kam es zum Eklat, als eine Nachfrage von Götzl Mundlos derart aufregte, dass er den Richter beschimpfte.

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat der Vater des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos den Vorsitzenden Richter beschimpft. "Sie sind ein kleiner Klugsch...", fuhr Siegfried Mundlos Richter Manfred Götzl an. Er sprach das Wort nicht zu Ende. Dass der Richter es lediglich bei der Androhung von Ordnungsmitteln beließ, ist wohl dem persönlichen Drama des gebrochenen Mannes geschuldet. Zu der Entgleisung war es gekommen, nachdem Mundlos geschildert hatte, wie ein Freund seines Sohns dessen Freund Uwe Böhnhardt als "tickende Zeitbombe" beschrieben habe. Götzl insistierte mit ein paar wenigen Fragen, ob er als Vater seinen Sohn dann nicht hätte vor Böhnhardt warnen müssen.

Vater verlangt Unschuldsvermutung für seinen Sohn

Zu Beginn der Vernehmung hatte der pensionierte Informatik-Professor Mundlos gefordert, dass die Unschuldsvermutung auch für seinen Sohn gelten müsse. Der Vater richtete diesen Appell insbesondere an die Bundesanwaltschaft, die Mundlos' mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer angeklagt hat. Wie schon in seiner Aussage vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss gab Mundlos dem Verfassungsschutz eine Mitschuld daran, dass sein Sohn in die rechte Szene abgeglitten ist. Erst die Gelder von V-Leuten hätten die Rechtsextremisten stark gemacht. "Wenn die jungen Leute mit ihrem eigenen Geld hätten auskommen müssten, wäre gar nicht die Illusion entstanden", sagte Siegfried Mundlos. Sein Sohn sei aber nicht misstrauisch geworden.

Mundlos schilderte seinen Sohn als sehr hilfsbereit - "und sehr lieb zu seinem zwei Jahre älteren behinderten Bruder". Zur Wendezeit habe er ihn im Streit um eine behindertengerechte Wohnung unterstützt. "In der DDR wäre er als systemkritischer Geist durchgegangen."

Siegfried Mundlos soll zwei Tage lang befragt werden. Richter Götzl kannte die bisherigen Äußerungen von Mundlos. Er versuchte, diesem von Anfang an seine richterliche Autorität entgegenzusetzen. "Das ist nicht möglich", hinderte Götzl Mundlos daran, eine vorbereitete Stellungnahme mit seinen Theorien zu verlesen. Immer wieder forderte Götzl Mundlos auf, sich nur zur Sache zu äußern. Mehrfach hielt der Richter dem Zeugen vor, nur in Akten angelesenes Wissen auszusagen. Doch so sehr sich der Richter auch mühte - Mundlos wollte ganz offensichtlich provozieren. So griff er etwa mitten in seiner Vernehmung zu einem Apfel und biss in aller Seelenruhe ab. Essen auf der Zeugenbank ist ein Tabu - er habe so etwas noch nie bei einem Zeugen erlebt, sagte der 60-jährige Richter.

Vernehmung von Nachbarin verschoben

Ursprünglich sollte am Mittwoch zunächst eine ehemalige Nachbarin des mutmaßlichen Zwickauer Terror-Trios per Videoübertragung vernommen werden. Die 91-jährige lebt in einem Pflegeheim in Zwickau, seit ihre Wohnung durch einen Brand unbewohnbar geworden war. Diesen Brand soll Beate Zschäpe gelegt haben, um Spuren in der Wohnung zu verwischen. Aus gesundheitlichen Gründen kann die Seniorin nicht vor Gericht erscheinen. Wegen technischer Probleme wurde die Vernehmung auf Donnerstag verschoben.

Uwe Mundlos soll mit Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe als rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zehn Morde, zwei Bombenanschläge und eine Serie von bewaffneten Überfällen begangen haben. Mundlos und Böhnhardt wurden im November 2011 tot in einem Wohnmobil aufgefunden, kurz nach einem Raubüberfall auf eine Bank in Eisenach. Sie sollen sich umgebracht haben. Zschäpe stellte sich einige Tage später der Polizei.