NSU-Prozess Vernehmung von betagter Zschäpe-Nachbarin abgebrochen

Im NSU-Prozess hat das Oberlandesgericht München die Vernehmung einer betagten Nachbarin der Angeklagten Beate Zschäpe nach wenigen Minuten abgebrochen. Die 91 Jahre alte Frau, die aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Gericht erscheinen konnte, wirkte desorientiert und konnte weder ihr Alter noch ihre Adresse sagen. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sagte daraufhin: "Ich meine nicht, dass es einen Sinn macht, die Vernehmung fortzusetzen."

Die Vernehmung der Frau per Videokonferenz in einem Seniorenheim in Zwickau hatten vor allem Zschäpes Verteidiger angeregt. Sie führten ins Feld, dass die Seniorin Beate Zschäpe vom Vorwurf des versuchten Mordes entlasten könnte. Dabei geht es um den Brand, den Zschäpe nach dem Tod ihrer mutmaßlichen Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in der gemeinsamen Wohnung in Zwickau gelegt haben soll.

In der Vernehmung bei der Polizei hatte die betagte Nachbarin damals berichtet, jemand habe bei Ausbruch des Brandes bei ihr geklingelt. Als sie die Sprechanlage erreicht habe, habe sich jedoch niemand mehr gemeldet. Es scheint möglich, dass Zschäpe versucht hat, die Nachbarin zu warnen. Die Frau hatte durch das Feuer ihre Wohnung verloren und lebt seitdem in einem Pflegeheim. Die Anklage wirft Zschäpe vor, sie habe den Tod der Nachbarin und zweier Handwerker in Kauf genommen, als sie das Feuer legte.

Der Verhandlungstag wurde nach dem Vernehmungsversuch beendet. Es war der letzte in diesem Jahr. Weiter geht der NSU-Prozess am 8. Januar.