Fahndung nach NSU-Trio Mutmaßlicher Kontaktmann aus der Luft überwacht

Bei der Fahndung nach den untergetauchten Jenaer Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe haben Ermittler Ende der 1990-er Jahre einen Rechtsextremisten aus der Luft überwacht. Ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz berichtete am Donnerstag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages, man habe nach einem Amtshilfeersuchen der Thüringer Kollegen am Auto eines Rechtsextremisten aus Jena einen Funksender angebracht. Dieser sei dann von einem Flugzeug aus überwacht worden. Man habe damals die Hoffnung gehabt, dass der Mann Kontakt zu den Untergetauchten halte. Die Überwachung aus der Luft begründete der Verfassungsschützer damit, dass sich die Spur des Senders auf diese Weise in einem sehr viel größeren Radius verfolgen lasse aus vom Boden. Erkenntnisse brachte die Aktion den Angaben zufolge jedoch nicht.

Dewes mit Erinnerungslücken

Der Ausschuss befragte am Donnerstag auch den früheren Thüringer Innenminister Richard Dewes. Der konnte sich indes an Details über die Suche nach dem Trio nicht mehr erinnern. Welche Informationen bis zur Spitze des Innenministeriums gedrungen seien, könne er nicht mehr sagen. Dewes berief sich auf Erinnerungslücken. Dennoch habe er inzwischen aus der Arbeit des Ausschusses den Eindruck gewonnen, dass die Sicherheitsbehörden damals alles ihnen Mögliche getan, um die mutmaßlichen Rechtsterroristen zu finden.

Dewes war von 1994 bis 1999 Innenminister in Thüringen. Er verwies am Donnerstag vor dem Ausschuss darauf, dass sich die Sicherheitsbehörden und vor allem der Verfassungsschutz in den 1990-er Jahren noch in der Aufbauphase befunden hätten. Dies müsse bei einer Bewertung des damaligen Handelns von Polizei und Inlandsnachrichtendienst aus heutiger Sicht stets mitbedacht werden.

Die drei Rechtsextremisten aus Jena waren im Januar 1998 untergetaucht, kurz bevor in einer von ihnen genutzten Garage Sprengstoff und weitere Materialien für Rohrbomben gefunden wurden. Böhnhardt und Mundlos nahmen sich im November 2011 in Eisenach das Leben, Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht. Die Drei sollen für die Morde an neun Männern ausländischer Herkunft und an der Polizistin Michèle K. im Zeitraum von 2001 bis 2007 verantwortlich sein.