NSU-Untersuchungsausschuss Thüringen Bekannte von Kiesewetter angeblich bedroht

Eine frühere Bekannte der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter ist nach eigenen Angaben von Unbekannten bedroht worden. Vor dem NSU-Untersuchungsausschusse des Thüringer Landtages sagte die Frau am Montag, unter anderem hätten sie zwei Männer zu Hause aufgesucht und ihr geraten, sich "an bestimmte Dinge" im Zusammenhang mit dem Mord an der aus Thüringen stammenden Kiesewetter nicht zu erinnern. Worum es dabei konkret ging und wer die Männer waren, sagte die Zeugin nicht. Nach ihren Angaben haben sich die Männer ausgewiesen - als was, sagte sie jedoch nicht. Sie sei sich nur sicher, dass es "keine Leute von der Straße" gewesen seien.

Die Frau ist selbst Polizistin und gehörte nach eigenen Angaben Mitte der 2000-er Jahre zum persönlichen Umfeld Kiesewetters. Sie habe ein vertrautes Verhältnis zu dieser gehabt und mit ihr viel über den Job und auch ganz private Dinge geredet. Dieses enge Verhältnis war allerdings unmittelbar nach dem Mord in Heilbronn kein Anlass für die Ermittler, die Frau zu befragen. Erst nachdem im Jahr 2011 Verbindungen zwischen den mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe und dem Mord an Kiesewetter bekannt geworden waren, wurde sie vom Bundeskriminalamt vernommen.

Polizistin wurde 2007 in Heilbronn ermordet

Die aus Oberweißbach stammende Kiesewetter war am 25. April 2007 in Heilbronn erschossen worden, als sie in ihrem Streifenwagen sitzend eine Pause machte. Ein ebenfalls im Wagen sitzender Kollege wurde schwer verletzt. Nachdem im November 2011 in einem von Böhnhardt und Mundlos benutzten Wohnmobil die Waffe Kiesewetters gefunden wurde, geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass das rechtsextreme Trio den Mord begangen hat. Zschäpe steht unter anderem wegen dieses Falls in München vor Gericht. Ihre Komplizen sind tot.

Die Hintergründe des Mordes sind bislang unbekannt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass das NSU-Trio Kiesewetter und ihren Kollegen als Vertreter des von ihnen verhassten Staates angegriffen hat. Seit 2011 wird jedoch auch immer wieder darüber spekuliert, dass es private Gründe für den Mord gegeben haben könnte - etwa einen Racheakt aus der rechtsextremen Szene der Region. Dafür sind bislang aber keine Belege vorgelegt worden.