Prozess in München Rohrbomben der späteren NSU-Mitglieder funktionierten nicht

Die Rohrbomben der späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen aus dem Jahr 1998 waren nicht funktionsfähig. Das hat ein Sachverständiger des Landeskriminalamts Thüringen am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht erklärt. Die aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe bestehende Gruppe habe sich damals den Sprengstoff TNT besorgt, es aber nicht geschafft, daraus eine gefährliche Bombe zu bauen. Es hätten sowohl Zündvorrichtungen als auch Hilfsmittel zum Zünden des TNT gefehlt. "Entweder sie hatten nicht das nötige Wissen oder nicht das nötige Material - aber sie haben Fleiß investiert", sagte der Experte. Nach dem Auffliegen ihrer Bombenwerkstatt in Jena waren die drei Neonazis in den Untergrund gegangen.

Nebenklage stellt Beweisanträge

Nach der Aussage des Thüringer Experten meldeten Nebenklage-Anwälte neue Zweifel an der Rolle eines ehemaligen Verfassungsschützers beim Mord an dem Internetcafé-Betreiber Halit Yozgat 2006 in Kassel an. Die Anwälte von Yozgats Eltern stellten am Dienstag mehrere Beweisanträge. Damit wollen sie nach eigener Aussage aufzeigen, das Andreas T. "über exklusives Täter- oder Tatwissen" verfügt habe. T. habe die Information, dass es sich bei dem Mord um das Werk von Serientätern handle, damals schon zu einem Zeitpunkt weitergegeben, als diese noch gar nicht über Medien öffentlich verbreitet war.

T. saß 2006 während des Mordes an Yozgat im hinteren Raum von dessen Internetcafé. Die Anwesenheit des Verfassungsschützers hatte für Spekulationen gesorgt, zumal er sich nach der Tat damals nicht als Zeuge gemeldet hatte. Ermittlungen gegen ihn wurden allerdings eingestellt. Die Bundesanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er mit dem Mord etwas zu tun hatte. In seinen bisherigen Vernehmungen hatte T. stets behauptet, von der Tat nichts mitbekommen zu haben.