Nach Ausschuss-Kritik an Sicherheitsbehörden NSU-Opfer verklagt Thüringer Innenministerium

Der Abschlussbericht des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses hat bereits vor seiner Veröffentlichung erste Konsequenzen: Ein Opfer des Bombenanschlags im Jahr 2004 in der Kölner Keupstraße hat beim Landgericht Erfurt eine Amtshaftungsklage gegen das Thüringer Innenministerium eingereicht. Ein Sprecher des Gerichts bestätigte MDR THÜRINGEN am Mittwoch den Eingang einer solchen Klage. Diese stehe im Zusammenhang mit dem Bericht des Landtagsausschusses.

Eingereicht hat sie ein Anwalt aus Stuttgart, der das Anschlagsopfer vertritt. Der Anwalt sagte "Spiegel Online", dass sich aus dem Bericht eine klare Mitschuld der Thüringer Behörden bei der Fahndung nach dem NSU-Trio ergebe. Deswegen müsse das Land haften. In dem Bericht ist unter anderem vom "Verdacht gezielter Sabotage und des bewussten Hintertreibens des Auffindens der Flüchtigen" durch Thüringer Behörden die Rede.

Der Abschlussbericht des Ausschusses wird am Donnerstag offiziell der Thüringer Landtagspräsidentin übergeben und am Freitag im Plenum beraten. In dem Dokument hat der Ausschuss seine Erkenntnisse zur möglichen Pannen bei der Fahndung nach den mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zusammengefasst. Dem Trio werden zehn Morde, eine Reihe von Banküberfällen und zwei Nagelbomben-Anschläge zur Last gelegt. Einer dieser Anschläge wurde am 9. Juni 2004 in Köln verübt. Dabei erlitten 22 Menschen teils schwere Verletzungen.