NSU-Prozess Zschäpe will sich von ihrer Verteidigerin trennen

Im NSU-Prozess in München will sich die Angeklagte Beate Zschäpe von ihrer Pflichtverteidigerin Anja Sturm trennen. Das gab der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Mittwoch im Oberlandesgericht bekannt. Neben Sturm hat Zschäpe zwei weitere Pflichtverteidiger, Wolfgang Stahl und Wolfgang Heer. Weder Zschäpe noch Sturm wollten sich dazu auf Anfrage von Richter Manfred Götzl äußern.

Zschäpes verbleibender Anwalt Heer beantragte daraufhin, den Verhandlungstag nicht fortzusetzen. Zur Begründung sagte er, "aufgrund der prozessualen Situation" sei eine "eingehende Beratung" mit Zschäpe nötig. Götzl entschied daraufhin, die Verhandlung auf kommenden Dienstag zu vertagen.

Heer vertritt die mutmaßliche Rechtsterroristin in dem Verfahren von Anfang an. Stahl und Sturm wurden Mitte 2012 hinzugezogen - zunächst als unbezahlte Wahlverteidiger. Ende des Jahres 2012 verfügte das Gericht, dass Stahl und Sturm zu weiteren bezahlten Pflichtverteidigern ernannt werden. Herr hatte dies beantragt und zur Begründung darauf verwiesen, dass das Verfahren äußerst komplex sei. Die Bundesanwaltschaft hatte sich dagegen ausgesprochen - sie hielt es damals für ausreichend, dass Zschäpe von einem einzigen bezahlten Pflichtverteidiger vertreten wird.

"Schweigestrategie" ihrer Anwälte belastet Zschäpe

Das Vertrauen Zschäpes zu ihren Verteidigern gilt schon seit längerer Zeit als belastet. Im Juli 2014 hatte Zschäpe versucht, alle drei Verteidiger als ihre Rechtsbeistände zu entpflichten. Da sie aber keine ausreichende Begründung lieferte, lehnte das Gericht den Antrag ab. Zschäpe hat sich auch in einem Gespräch mit dem Gerichtspsychiater Norbert Nedopil kritisch über ihre Rechtsbeistände geäußert. Sie empfinde es als "belastend", dass sie auf "Fehler ihrer Anwälte aufpassen" müsse. Auch die Strategie, in der Verhandlung zu schweigen, setze ihr zu.

Die aus Jena stammende Zschäpe ist die Hauptangeklagte in dem Verfahren und muss sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie von zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden der Terrorgruppe NSU verantworten.