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Ein Flixtrain fährt auf dem Erfurter Hauptbahnhof ein Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen

Flixtrain startet auf Schnellfahrstrecke nach Berlin

von Jonas Wölke

Stand: 17. Dezember 2019, 19:00 Uhr

Seit Sonntag fahren die grünen Züge von Flixtrain auf der Schnellfahrstrecke in knapp zwei Stunden nach Berlin. Für Reisende eine günstige Alternative zu Zügen der Deutschen Bahn. Für den Fahrgastverband Pro Bahn jedoch nur ein Angebot für eine begrenzte Kundschaft in Thüringen.

Mit dem grellen Quietschen der Bremsen begrüßt der hellgrüne Flixtrain seine Fahrgäste an diesem Abend an Gleis 1 des Erfurter Hauptbahnhofes. Seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember fährt der private Bahnkonkurrent Flixtrain mit seinen Zügen nach Stuttgart beziehungsweise Berlin auch durch Thüringen. Einmal am Tag hält er auch in Gotha und Eisenach. Da der Zug über die Schnellfahrstrecke nach Berlin fährt, wird Weimar nicht angefahren. Das liege nicht nur an der kürzeren Fahrzeit, sondern auch daran, dass das Unternehmen keine Trasse dafür bei der Deutschen Bahn erhalten habe, heißt es dazu von Flixtrain.

Bunte Sitze, versteckte Steckdosen und kostenfreies WLAN

Klack - die Türen gehen auf, einige Menschen steigen aus, noch mehr steigen in den Zug nach Berlin ein. Die Fahrgäste stehen dicht gedrängt in den teilweise recht schmalen Gängen der insgesamt zehn ehemaligen Interregio-Wagen und suchen ihren Sitzplatz. Im Innenraum geht es recht bunt zu. Je nachdem welchen Wagen man erwischt, sind die Sitzpolster braun, rot, grau oder auch mal in beigem Leder gehalten.

Das hat aber nichts mit der Wagenklasse zu tun, denn bei Flixtrain gibt es durchweg nur eine Wagenklasse. Steckdosen gibt es an so gut wie jedem Platz im Zug. An manchen Plätzen muss man sie nur finden, da sie auch mal unter dem Sitz versteckt sein können. Auch WLAN und eine kleine Auswahl an Filmen sind gratis übers Smartphone oder Tablet im WLAN-Portal abrufbar.

Kampfpreis für Frühbucher

Unter den Reisenden sind viele junge Menschen, die vor allem den günstigen Fahrpreis schätzen. Ein Zugticket gibt es bereits ab 9,99 Euro zu kaufen. Wie bei Flugtickets ist die Anzahl dieser Tickets allerdings begrenzt. Geregelt wird dies über ein "dynamisches Preissystem", erklärt Fabian Stenger, Geschäftsführer von Flixtrain. Soll heißen: Je früher man bucht, desto wahrscheinlicher, dass man noch ein Billig-Ticket ersteht. Auf die Frage, wie dieser Kampfpreis zustande kommt, antwortet Stenger: "Wir haben mehrere Preisklassen, über die wir die Zugauslastung steuern können. Damit streben wir eine höhere Auslastungen der einzelnen Züge an als die Deutsche Bahn." Ob das der einzige Trick des Unternehmens ist, bleibt dagegen unbeantwortet.

"Kinderbereiche größer als bei der Bahn"

Auch junge Familien reisen an diesem Abend mit. Im dafür vorgesehenen Familienabteil schaukeln neben den Sitzen Kinderwagen verschiedener Modelle zum Takt der Schienen. Kinder spielen auf dem Boden, wie könnte es anders sein, mit einer kleinen Holzeisenbahn und verlegen deren Schienen quer durch den Wagen. Eine Mutter spielt gerade mit ihrer Tochter. "Für uns ist der Preis natürlich super, aber auch die Wagen. Ich habe das Gefühl, ich zeige meiner Tochter hier das richtige Zugfahren", sagt sie.

Ein paar Plätze weiter sitzt eine weitere Mutter, die vor allem den großen Familienwagen lobt. "Das ist super für die Kleinen, die können hier spielen und auch die Toiletten waren sauber - und es gibt einen kleinen Kiosk. Da kann die Deutsche Bahn auch nicht mehr bieten." Währenddessen schaukelt der Zug weiter in Richtung Berlin.

Streckennetz nur der Anfang

Das jetzige Streckennetz sei nur der Anfang, sagt Flixtrain-Geschäftsfüher Fabian Stenger. Im Jahr 2020 wolle man auch eine regelmäßige Verbindung zwischen Stuttgart und Hamburg anbieten - dann aber ohne Halt in Thüringen. Dafür braucht das Unternehmen allerdings mehr als die bisher eingesetzten sieben Züge. "Wir sind dazu im Gespräch mit verschiedenen Anbietern", sagt Stenger. Schon jetzt könne man aber seine Fernbusfahrt mit einer Zugfahrt bei dem Unternehmen kombinieren. An den Anschlüssen werde stetig gearbeitet.

Pro Bahn: "Orte in der Fläche haben nichts von Flixtrain"

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist nur mäßig über die neue Konkurrenz der Deutschen Bahn begeistert. Flixtrain sei ein zusätzliches Billig-Angebot, was sehr preissensible Kunden anspricht. Das sei eine Ergänzung, aber für die Struktur des Thüringer Fernverkehrs auf der Schiene bringe sie nichts, so Karl-Peter Naumann von Pro Bahn. Sein größter Kritikpunkt: Die Züge von Flixtrain halten nur dort, wo sowieso schon viele Fernzüge halten. Orte in der Fläche, wie Ilmenau, Gera oder Jena, haben das Nachsehen. Aus Sicht von Pro Bahn ist ein Fernverkehrskonzept für ganz Thüringen gefragt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

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