Die wichtigsten Fragen und Antworten Abschussantrag für die Ohrdrufer Wölfin - was bedeutet das?

Nach wiederholten Angriffen auf Schafe und Ziegen soll die Ohrdrufer Wölfin erschossen werden. Die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund kündigte an, dafür einen Abschussantrag zu stellen. So ein Antrag ist nötig, weil Wölfe unter besonders strengem Schutz stehen und nur in Ausnahmefällen gejagt werden dürfen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

von Guido Fischer

Ein Wolf in der Heide
Ein Wolf in einer Heidelandschaft. (Archiv) Bildrechte: NABU/Jürgen Borris

Wie wahrscheinlich ist es, dass dieser Antrag genehmigt wird?

Sehr wahrscheinlich. Die rechtlichen Voraussetzungen sind ja erfüllt, da die Wölfin vielfach die vermeintlich sicheren Zäune überwunden hat.

Aber die Wölfin ist streng geschützt?

Von diesem Schutz gibt es Ausnahmen, etwa wenn große Schäden in der Nutztierhaltung entstehen. Man darf nicht vergessen, dass die Wölfin und ihr Rudel in diesem Jahr viel mehr Nutztiere gerissen haben, als jedes andere Wolfsrudel in Deutschland.

Wenn die Genehmigung erteilt wird, wer jagt dann die Wölfin?

Das wird geheim gehalten - da die Schützen mit massiven Anfeindungen zu rechnen haben. Auch aus einem anderen Grund werden sich einheimische Jäger und Förster nicht an der Jagd beteiligen. So lange nicht abschließend juristisch geklärt ist, ob die Abschussgenehmigung rechtens ist, droht ihnen der Entzug von Jagd- und Waffenschein, wenn sie auf die Wölfin schießen. Schon wegen des Hybridenabschusses sind zahlreiche Strafanzeigen anhängig.

Wo will das Umweltministerium dann die Jäger her bekommen?

Vermutlich wie bereits bei der ersten Hybridenjagd 2017 aus Nordamerika. Auch osteuropäische Jäger wären eine Alternative. Auf jeden Fall braucht es Experten, die schon mal Wölfe bejagt haben, weil es dieses Mal schwieriger wird, die Wölfe zu bejagen. Denn die Abschusserlaubnis gilt nur für die Wölfin und ihren Nachwuchs.

Der männliche Wolf auf dem Übungsplatz Ohrdruf darf auf keinen Fall erlegt werden. Eine Verwechslung und damit ein Fehlabschuss kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Außerdem ist die Wölfin - durch die Jagd auf ihren Nachwuchs seit 2017 - vermutlich die vorsichtigste Wölfin Deutschlands und mit jedem Schuss auf ihr Rudel wird sie sich noch mehr verstecken. Schließlich ist der Zeitdruck enorm. Es ist also völlig unklar, ob die Jagd Erfolg haben wird.

Was passiert mit dem Nachwuchs, wenn die Wölfin erlegt wird?

Die Jungtiere sollen ja möglichst auch erlegt werden. Passiert das nicht, sind sie auf jeden Fall auch ohne Mutter überlebensfähig. Möglicherweise wandern sie in Folge des Jagddrucks ab, möglicherweise produzieren sie mit dem zugewanderten Wolf oder Haushunden neue Hybriden - das wäre allerdings frühestens 2021 der Fall, weil sie vorher nicht geschlechtsreif sind.

Was passiert mit dem zugewanderten Wolf, der mit der Wölfin zusammen lebt?

Es sind viele Varianten möglich. Es könnte sein, dass er sich in gut einem Jahr mit einer der verbliebenen und dann geschlechtsreifen Hybridinnen paart. Ebenso ist es möglich, dass er weiter zieht. Auf jeden Fall besteht auch die Gefahr, dass er sich mit einer streunenden Hündin paart. Das könnte richtig gefährlich werden, wenn diese ihren Hybridennachwuchs bei ihrem Halter großzieht. Dann wäre Wolfsnachwuchs in einer menschlichen Siedlung, ohne dass die Menschen etwas davon wissen.

Wenn die Jagd so kompliziert ist, warum wird nicht der Herdenschutz verstärkt?

Weil das kurzfristig keine Lösung ist. Würde man jetzt Schutzhunde in die Herden bringen, würde das die Schafe zunächst weiter verunsichern und zu Aborten führen. Immer höhere Zäune zu bauen ist auch nicht sinnvoll, da Wölfe mit ihren Aufgaben wachsen. Das Kernproblem würde bleiben: eine Wölfin in einer Region , die als Weidelandschaft ausgelegt ist. Damit ist das Tier quasi auf die Weidetierjagd konditioniert.

Wird Thüringens nach einem möglichen Abschuss der Wölfin wolfsfrei bleiben?

Sehr unwahrscheinlich. Schon jetzt gibt es Hinweise auf Wölfe im Bereich des Nationalparks Hainich oder des Kindel bei Eisenach. Besonders der Hainich mit seiner hohen Wildpopulation wäre ein ideales Siedlungsgebiet. Außerdem werden mit ziemlicher Sicherheit Wölfe auf natürlichem Weg etwa über den Harz nach Nordthüringen oder aus Tschechien ins Thüringer Schiefergebirge zuwandern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 10:56 Uhr

46 Kommentare

Nina clausen vor 4 Wochen

Hejsa. Es wäre eine Schande die Wölfe abzuknallen oder die Erlaubnis zu geben . Sie ist der leitende Teil des Rudels. Die Jungtiere gehen daran mit zu Grunde da sie sie versorgt und anlernt .die Jäger sollen die Natur in ihrer natürlichen Balance lassen nicht zerstören und sie regeneriert sich selbst Schafzüchter haben die Pflicht ihre Tiere zu schützen mit Zaun und Wachhunde . Ausserdem spricht man in Bundesland Brandenburg davon, dass man einen Zaun zwischen Brandenburg und Polen aufstellen Wil wegen der Wildschweinepest. Dann würde ein neuer Rudelbestand in Frage gestellt ja Wölfe würden dann in Deutschland eventuell schnell wieder aussterben . Man sperrt damit den Zustrom neuer genetischen Zuwachs von Wölfen ab. Die Wölfe sind nach der Berner commission geschützt

Paule vor 4 Wochen

@ Thueringer Original: Was für ein dummer Vergleich. Sie schützen sicher Ihr Auto, schließen es immer ab, sehen zu, dass niemand sie anfährt und sie versichern sich. Das machen die Schäfer in unserem Wolfsgebiet in Ohrdruf nicht. Sie lassen die Schafherde unbeaufsichtigt, haben keinen Herdenschutzhund und bauen lächerliche Elektrozäune auf, welche jeder Mops überwinden kann. Ihrem Rückschluss zu folge braucht man in Thüringen dann auch keine Autos. Es gibt genug ÖPNV und in anderen Ländern gibt es auch noch genug Autos. :-D

Thueringer Original vor 5 Wochen

Aus meiner Sicht kann die Wölfin abgeschossen werden. Denn der Wolf ist in unserem Ökosystem nicht notwendig. Zudem ist er noch lange nicht ausgerottet. In Europa kommt er noch zahlreich vor.

Vielleicht sollten sich hier auch einige mal in die Lage der Schäfer versetzen. Und wenn Ihnen jemand das Auto zerstört und sie dafür noch den Zeitwert erhalten, dann sagen sie sicherlich auch nicht, danke wie großzügig,

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