Björn Höcke
Thüringens Partei- und Fraktionschef Björn Höcke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Positionspapier der Landtagsfraktion Thüringer AfD fordert eine Debatte um deutsche Leitkultur

Durch "Multikulturalismus" und falsch verstandene Toleranz sei die deutsche Lebensweise in ihrem Kern bedroht, heißt es in einem Positionspapier, das die AfD-Landtagsfraktion am Dienstag in Erfurt vorgestellt hat. Das Papier fordert unter anderem, Deutsch als Landessprache in Landesverfassung und Grundgesetz aufzunehmen.

von Peter Sommer

Björn Höcke
Thüringens Partei- und Fraktionschef Björn Höcke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Leitkultur, Identität, Patriotismus." Mit diesen drei Worten ist das 33 Seiten starke Papier überschrieben. Björn Höcke, Landeschef der AfD und Fraktionschef im Thüringer Landtag, holt weit aus, als er die Hintergründe des Papiers erklärt - und malt ein düsteres Bild der Welt an die Wand. Weltweit, aber besonders in Europa und Deutschland erlebe der Geist des Neoliberalismus Hochkonjunktur. Eliten würden regieren, die den Menschen vor allem als ständig verfügbare Arbeitskraft sehen. Dauerhafte Mobilität, Anpassungsfähigkeit und kulturelle Beliebigkeit seien deshalb die Gebote der Stunde, sagte Höcke. Das aber widerstrebe dem Wesen des Menschen.

Der Gegenentwurf dazu sei eine echte "Leitkultur" und ein gesunder Patriotismus. Er sei die Grundlage einer lebendigen Bürgergesellschaft, meint Höcke. Dabei reicht dem 46-Jährigen ein bloßes Bekenntnis zum Grundgesetz nicht aus. Ein echter Patriotismus bekenne sich zu einem ganzen Kanon an Sitten, Normen und Lebensweisen. Im Einzelnen listet das Papier beispielhaft etwa das Erbe der deutschen Dichter und Denker, das Bauhaus, die Fußball-Bundesliga oder auch Ordnungsliebe und Reinheitsgebot auf.

Familie mit Kindern soll ins "Zentrum der Wertevermittlung"

Des Weiteren beklagt das Papier eine vorherrschende "Meinungsdiktatur" in Deutschland. Derzeit erlebe er eine "Tyrannei" von - aus seiner Sicht - fragwürdigen Werten wie Toleranz, Weltoffenheit und "Multikulturalismus", sagte Höcke. Homosexualität etwa werde nicht nur toleriert, sondern sogar vollkommen akzeptiert und in Teilen als etwas Erstrebenswertes vermittelt. Und dabei gehöre doch die klassische Familie mit Kindern ins "Zentrum der Wertevermittlung" gerückt. Darüber hinaus fordert das Papier auch eine Revision des Geschichtsunterrichts. Den Schülern müsse ein "positives Bild Deutschlands" auf den Weg gegeben werden, ohne das Erbe der NS-Zeit zu verschweigen, forderte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Stefan Möller. Derzeit werde alles "typisch Deutsche" negativ und teilweise schuldbeladen dargestellt. Das Positionspapier verstehen Höcke und Möller zum einen als Anleitung zum Handeln für die eigene Fraktion in Thüringen - aber auch als Gesprächsangebot für die Bundespartei.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 15. Mai 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 19:41 Uhr

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23 Kommentare

18.05.2018 08:25 der_Silvio 23

@22 Mediator; "wer wird den als Rechter bezeichnet wenn er von Patriotismus redet."
Das machen sie in jedem Kommentar, den sie zu diesem Thema geben, sehr deutlich.
Haben sie noch mehr Spott und Hohn zu 'Leitkultur' und 'Identität'?
Oder haben sie auch richtige Argumente?
Es ist traurig, daß ihnen zum Begriff Patriotismus um Blick auf Ostdeutschland nur ein Suffkopf einfällt, der sich sein Bier über die Hose geschüttet hat und den rechten Arm in die Höhe hebt (ich weiß was das heißt). Aber Hauptsache, es passt zu ihrer "Argumentation".

@21 Eulenspiegel; die Debatte um die Gefahr ob der Deutschen Sprache ist schon älter; "Ist Deutsch noch zu retten?
Englisch ist die Weltsprache. Aber wir können verhindern, dass unsere Muttersprache weiter erodiert" (Quelle: Zeit online vom 01.07.2010)
Aber Hauptsache, sie können ihre Nazikeule schwingen.

17.05.2018 18:35 Mediator an der_Silvio(18) 22

Lieber Silvio,

wer wird den als Rechter bezeichnet wenn er von Patriotismus redet. Dumm ist nur, dass diejenigen die davon nur reden meist den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus nicht kennen. Gerne können sie sich eine Deutschlandfahne im Garten aufziehen, aber vergessen sie bitte nicht diese bei Dunkelheit einzuholen, denn sonst ist das bald nur noch ein ausgewaschener Lappen. Sie können sich auch ein Trikot der Nationalmanschaft überziehen, aber dann sollten sie es vermeiden damit zu posieren wie der unvergessene ostdeutsche 'Patriot', der bei den Pogromen von Hoyerswerda in Deutschlandtrikot, eingenäßter Jogginghose, Bierflasche und Hitlergruß vor dem brennenden Gebäuse abgelichtet wurde. Der hielt sich sicher auch für super Patriotisch.

Ansonsten sollten sie den Unterschied zwischen der Tradierung von bewährten Werten und Intolleranz beachten. Mit Identität hat es übrigens wenig zu tun die Nürnberger Gesetze neu anzuregen.

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