Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke umringt von Journalisten auf dem Bundesparteitag der AfD
Björn Höcke aus Thüringen kandidiert nicht für den Bundesvorsitz der AfD. Für seinen "Flügel" fordert er aber mehr Einfluss in der Parteiführung. Bildrechte: MDR/Alexander Budweg

Braunschweig AfD-Parteitag: Höcke macht CDU Angebot - und räumt Fehler ein

Die AfD trifft sich in Braunschweig zu ihrem Bundesparteitag. Während Alexander Gauland seinen Platz im Vorstand räumen will, kommt Bewegung in die Partei. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke fordert mehr Plätze für den rechten "Flügel", will aber vorerst nicht als Vorsitzender kandidieren. Er räumte persönliche wie auch Fehler seiner Partei ein - und machte der CDU ein klares Angebot zur Zusammenarbeit.

Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke umringt von Journalisten auf dem Bundesparteitag der AfD
Björn Höcke aus Thüringen kandidiert nicht für den Bundesvorsitz der AfD. Für seinen "Flügel" fordert er aber mehr Einfluss in der Parteiführung. Bildrechte: MDR/Alexander Budweg

Thüringens AfD-Chef Björn Höcke hat sein Angebot der Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung erneuert. "Wir sind bereit, einen großen Schritt in Richtung der Union zu tun. Wir haben eine einzigartige Situation in Thüringen", sagte Höcke am Rande des AfD-Bundesparteitags in Braunschweig dem Fernsehsender phoenix. Man würde ohne Vorbedingungen in Gespräche mit der CDU gehen, "und wer dann Ministerpräsident wird, muss sich aus diesen Gesprächen ergeben". Die Union sei aufgefordert, an ihre liberale-konservativen Wertvorstellungen anzuknüpfen. "Wenn sie wieder kernig wird, wird sie automatisch einen Geist in sich haben, an den wir andocken können, wo wir uns künftig vielleicht auch als Partner sehen."

AfD-Parteitag in Braunschweig: Björn Höcke gesteht Fehler ein

Höcke gestand auch eigene Fehler in der Vergangenheit ein. "Natürlich sind hier und da Grenzverletzungen passiert, vielleicht haben wir manchmal überzogen, aber wir waren alles Neulinge vor sechs Jahren", erklärte der Thüringer AfD-Vorsitzende. Auch persönlich habe er nicht alles richtig gemacht. "Da sind wichtige Themen in einer falschen Atmosphäre einfach vergeigt worden von mir." Er und seine Partei hätten dazugelernt, "was den Ausdruck angeht."

Höcke will mehr Vertreter des rechten "Flügels" im AfD-Vorstand

Am Sonnabend bekräftigte Höcke seine Forderung nach einer stärkeren Repräsentanz des völkisch-nationalistischen "Flügels" innerhalb des Bundesvorstands der Partei. Es sollten mindestens vier "Flügel"-Vertreter in den Vorstand gewählt werden, sagte Höcke am Rande des AfD-Parteitags in Braunschweig. Ausdrücklich unterstützte er den sächsischen Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla, der die Nachfolge von Ko-Parteichef Alexander Gauland antreten will. Er sei ein "Repräsentant des Ostens".

Höcke kandidiert vorerst nicht für AfD-Bundesvorsitz

Zustimmend äußerte sich Höcke auch zur Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel, die für einen der drei Vize-Posten kandidiert. Sie sei eine "Leistungsträgerin" in der AfD-Fraktion. Eine eigene Kandidatur schloss Höcke mit Verweis auf seine Aufgaben als Chef des Thüringer Landesverbandes und Fraktionschef vorerst aus: Es sei "nicht an der Zeit" für eine Bewerbung. "Natürlich habe ich einen Anspruch, diese Partei zu gestalten, aber ich kann diesen Anspruch im Augenblick ja auch in Thüringen sehr gut leben."

Blick auf den Parteitag der AfD in Braunschweig, Alexander Gauland ist auf großen Bildschirmen zu sehen
Die AfD ist in Braunschweig zu ihrem Bundesparteitag zusammengekommen. Alexander Gauland will seinen Platz freimachen. Bildrechte: MDR/Alexander Budweg

Auf seiner Facebook-Seite hatte Höcke bereits am Donnerstag die Forderung nach mehr "Flügel"-Vertretern im Parteivorstand erläutert. Dank der Wahlerfolge in Brandenburg, Sachsen und Thüringen sei die AfD im Osten zu einer "neuen, vitalen Volkspartei aufgestiegen". Dies müsse auch im Bundesvorstand "einen deutlicheren Ausdruck finden als bisher". Zugleich versicherte er, der "Flügel" plane in Braunschweig weder einen parteiinternen "Durchmarsch" noch einen "Umsturz".

Demonstration gegen AfD in Braunschweig

An der Volkswagen Halle, in der die AfD tagt, demonstrierten schon vor Beginn des Parteitags mehrere Hundert Menschen. Am Mittag waren nach Angaben der Organisatoren 15.000 Menschen auf der Straße. Die Polizei nannte zunächst keine Zahlen. Sie hatte die Halle weiträumig abgesperrt und war mit starken Kräften präsent. Auch Wasserwerfer standen bereit. Der "Volkswagen"-Schriftzug an der Halle war auf Betreiben des Autokonzerns abgedeckt worden.

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Wahlkampf-Aktivitäten sollen aus einer schwarzen Kasse finanziert worden sein

MDR AKTUELL Sa 30.11.2019 05:39Uhr 00:57 min

https://www.mdr.de/nachrichten/audio/audio-1235768.html

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Quelle: MDR THÜRINGEN/maf,AFP,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 07:33 Uhr

41 Kommentare

martin vor 7 Tagen

Die Art von Nationalstaat, die sich die AfD-Fans vorstellen, entspricht nun einmal nicht dem GG. Da können die Kameraden noch so viel schwafeln. Und vom "Volksaustausch" reden eigentlich ... das schreibe ich jetzt nicht, sonst verstoße ich vermutlich gegen die Netiquette

martin vor 7 Tagen

@elbflorenz: Selbstveständlich macht das Buch eines Führers noch kein Parteiprogramm. Aber wie Herr Höcke selbst sagt, habe er den Anspruch die Partei zu gestalten. Da ist so ein Buch sehr wohl wegweisend. Und da Herr Höcke mit großen Mehrheiten der Thüringer AfD gewählt wurde, bestätigt die Partei dann ja wohl auch seine Auffassungen.

Um zum Zitat: Wie möchten Sie es denn vestanden wissen?

martin vor 7 Tagen

@elbflorenz: Die Inhalte der AfD sind so weit rechts von Seeheimer Kreis und Werteunion, dass sie von CDU und SPD noch nie repräsentiert wurden. Einzelne wirtschaftspolitische Vorstellungen sind sehr FDP nah - aber die prägen nicht das Erscheinungsbild der Kameraden um Herrn Höcke.

Dass sich Wähler von den sog. "etablierten Parteien" nicht mehr vertreten fühlen und deshalb die AfD wählen, bedeutet noch lange nicht, dass die AfD für diese Werte steht - auch wenn die Kameraden gerade versuchen sich eine entsprechende bürgerliche Scheinfassade zu verpassen.

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