Kandidat müsse nicht aus AfD kommen AfD will Gegenkandidat zu Ramelow

Die Thüringer AfD will bei der Ministerpräsidentenwahl einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. "Wir brauchen einen Gegenkandidaten zu Bodo Ramelow", sagte Fraktionschef Björn Höcke. Er selbst komme dafür nicht in Frage.

Man sei auf der Suche nach einem Bewerber, der eine "bürgerliche Mehrheit" hinter sich versammeln könne, sagte er. Dies müsse auch keine Person aus den Reihen der AfD sein. Auf Nachfrage sagte Höcke, er wolle auch nicht ausschließen, dass der frühere Bundesverfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) ein geeigneter Kandidat wäre.

Maaßen: "Stehe für Vorschlag anderer Partei nicht zur Verfügung"

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Der Kandidat müsse nicht Mitglied der AfD sein. Bildrechte: dpa

Maaßen hatte zuletzt Spekulationen dementiert, er wolle kandidieren, kurz danach aber bei einer CDU-Veranstaltung im Eichsfeld erklärt "Ich selbst stehe im Moment nicht zur Diskussion." Er wolle sich niemandem aufdrängen, würde sich dieser Frage aber auch nicht verschließen.
Am Mittwoch reagierte Maaßen ablehnend. Als CDU-Mitglied unterstütze er die Bemühungen, einen CDU-Ministerpräsidenten durchzusetzen, sagte Maaßen dem "Tagesspiegel". Für den Wahlvorschlag einer anderen Partei stehe er nicht zur Verfügung.

Derzeit gibt es eine Diskussion darüber, wie die Thüringer Verfassung auszulegen ist, wenn Ramelow als einziger angetretener Kandidat im dritten Wahlgang möglicherweise mehr Nein- als Ja-Stimmen bekommt. Bei zwei oder mehr Kandidaten im dritten Wahlgang ist die Regelung der Verfassung eindeutig: Gewählt ist dann, wer die meisten Ja-Stimmen bekommt.

Susanne Hennig-Wellsow von der Linken sagte, spätestens jetzt müssten sich Mohring und die CDU entscheiden, wo sie stünden. Matthias Hey von der SPD reagierte überrascht, Dirk Adams von den Grünen skeptisch. Mike Mohring von der CDU erklärte, er könne sich nicht vorstellen, dass es aus seiner Fraktion Stimmen für einen AfD-Kandidaten gebe.

FDP erwägt auch eigenen Kandidaten

Auch die FDP erwägt, bei der Ministerpräsidentenwahl einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Laut Landtagsfraktionschef Thomas Kemmerich werden die Parteigremien am 3. Februar darüber beraten. Alles sei offen, so Kemmerich. Die Ankündigung der AfD, ebenfalls einen eigenen Kandidaten aufstellen zu wollen, nahm Kemmerich zurückhaltend auf. Die Liberalen würden weder Ramelow noch einen AfD-Kandidaten wählen.

Das sagen unsere User

"Atheist" bedauerte, dass Höcke nicht selber kandidiere: "Schließlich haben gerade wegen ihm die AFD über 23% gewählt. Er sollte selbst antreten, ich kann mir nicht vorstellen das ein "Bürgerlicher" was immer das sein soll, die Interessen der AFD Wähler vertreten soll." "Inge Hähner" meinte, dass die AfD geeignete Kandidaten in den eigenen Reihen habe. Kritik aus anderer Richtung daran hatte "Der Matthias", der bei Höcke "Mumm" für eine eigene Kandidatur vermisste und vermutete, dass er auch aus Sicht der AfD nicht vermittelbar, geschweige denn mehrheitsfähig wäre.
Als Qualifikation für Maaßen reiche es scheinbar schon aus, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sein und die AfD heimlich gefördert zu haben. "Marco Reimann" vermisste Kompetenzen bei Maaßen, der es in den alten Ländern "vergeigt" habe und es nun hier "mit den Stimmen der Blauen" probiere.
Dagegen bezeichnete "Rotti" Maaßen als einen "guten Kompromiss für das ganze bürgerliche Lager". "Christa Knaack" sah einen "Lockruf in Richtung derjenigen CDU-Parteimitglieder (...), die sich eine Koalition mit der AfD vorstellen können. Da gibt es sicher einige, die nur zähneknirschend einen Ministerpräsidenten Ramelow weiter tolerieren mögen." Aus Sicht von "Günther Busch" könne es sich die CDU aber nicht erlauben ihn zu wählen, "weil sie dann im Westen einen bösen Schiffbruch erleiden würde". Außerdem sei für ihn die AfD "ein Fall für den Verfassungsschutz und nicht für eine Landesregierung" - eine Sicht, die auch mehrere andere User teilten und die CDU davor warnten, "Steigbügelhalter" zu werden.
Beide Lager waren sich aber häufig einig, dass eine Wahl mit mehreren Kandidaten gut sei:

Ist doch für die Demokratie nur zu begrüßen und am Ende gewinnt halt der, der das meiste Vertrauen hat

User "Do Jo"

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

Quelle: dpa/MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 20:24 Uhr

175 Kommentare

Der Matthias vor 3 Wochen

@ Rotti

"Wenn die Mannschaft verloren hat, dann kann man ihr nicht deswegen den Sieg anerkennen"

Wenn diese Mannschaft in der Verlängerung den entscheidenden Siegtreffer erzielt, dann schon. ,.-))) Und übertragen auf Thüringen heißt das konkret: Wenn R2G ihre eigene, relative Mehrheit um eine entsprechende absolute Mehrheit zu erweitern versteht (z.B. in Form einer Tolerierung durch andere Parteien), so ist dies ein parlamentarischer Punktsieg. So einfach geht Demokratie! ,-))))
Übrigens: TH hat unverändert einen vernünftigen MP, der ganz nebenbei sogar Wahlsieger ist!

Rotti vor 3 Wochen

Und trotzdem haben die Thüringer ein Recht darauf, dass sie einen vernünftigen MP und eine vernünftige Regierung bekommen. Die jetzige ist abgewählt. Das ist sachlich nüchtern zu betrachten. Ist wie beim Fußball. Wenn die Mannschaft verloren hat, dann kann man ihr nicht deswegen den Sieg anerkennen, weil der Trainer es trotz Legasthenie es zu einer Hochzeit mit einer vom niederen Adel gebracht hat.
Nur mal so. Rein zufällig lebende sind natürlich nicht damit gemeint. 🤔😉

MDR-Team vor 3 Wochen

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