Medipack an einem Polizisten
Die Medipacks werden an der Weste getragen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Erste Hilfe für verletzte Polizisten Thüringen will Medipacks für Polizei anschaffen

Das Land Thüringen will rund 2.000 Medipacks für die Polizei anschaffen. Mit den kleinen Ersthelfertaschen können Polizisten ihren im Einsatz verletzten Kollegen schneller helfen. Die Thüringer Gewerkschaft der Polizei kritisiert das Vorhaben als verspätet.

von Juliane Maier-Lorenz

Medipack an einem Polizisten
Die Medipacks werden an der Weste getragen. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Die Festnahme sollte möglichst schnell und ruhig von statten gehen. An einem Freitagabend im Mai 2019 wollen Polizisten einen Mann vor einem Supermarkt in Gotha festnehmen. Gegen ihn lagen mehrere Haftbefehle vor. Doch der Mann wehrt sich massiv, greift im Gerangel an die Waffe eines Polizisten und drückt ab. Ein 28-jähriger Beamter wird am Bein getroffen und schwer verletzt. Er überlebt die gefährliche Schussverletzung, doch in Polizeikreisen wird immer mehr die Frage laut: Wie können wir im Einsatz verletzen Kollegen schneller helfen? Bisher müssen Beamte auf den Sanitätskasten im Einsatzwagen oder auf Rettungssanitäter warten.

Verletzten Polizisten schneller helfen

Deshalb plant Thüringen die Anschaffung von mehr als 2.000 Medipacks. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen sollen vor allem Polizisten im Streifendienst mit den speziellen Ersthelfer-Taschen ausgestattet werden. Die Beamten könnten so viel schneller ihren angeschossenen oder stark blutenden Kollegen helfen als bisher. Denn nicht immer steht der Einsatzwagen mit dem Sanitätskasten in unmittelbarer Nähe.

Ausgebreiteter Inhalt eines Medipacks
Ausgebreiteter Inhalt eines Medipacks Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Noch ist allerdings unklar, wann die Medipacks auch von Thüringer Polizisten an der Weste getragen werden können. Wie die Thüringer Landespolizeidirektion (LDP) MDR THÜRINGEN mitteilte, sei die Beschaffung für 2020 geplant. Allerdings, so heißt es weiter, werde derzeit geprüft, ob Finanzmittel aus anderen Bereichen für die Anschaffung verwendet werden können. So könnten bereits in diesem Jahr Medipacks gekauft werden. Laut LPD sollen sich die Kosten für die rund 2.000 Ersthelfertaschen auf 170.000 Euro belaufen.

Was ist in den Medipacks? Die speziellen Ersthelfertaschen beinhalten neben Druckverbänden, Binden, Pflastern und Handschuhen auch ein besonderes Abbindesystem für stark blutende Wunden. Die Medipacks werden an der Weste getragen und sind so im Einsatz immer dabei.

GdP-Chef: Medipacks hätten schon viel eher angeschafft werden müssen

Polizeieinsatz vor einem Einkaufsmarkt in Gotha
In Gotha wurde ein Polizist angeschossen. Bildrechte: MDR/WichmannTV

Zu spät, kritisiert Kai Christ, Chef der Thüringer Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Idee, wie man verletzte Polizisten im Einsatz schnell und effektiv verarzten könne, hätte bereits nach dem Attentat auf das Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 weiter verfolgt werden müssen. Es würde immer nur geprobt, wie die Beamten etwa bei Szenarien wie islamistischer Bedrohung agieren müssen, wie sie aber verletzten Kollegen helfen können, das werde nicht extra geschult, bemängelt der GdP-Chef weiter.

70 Medipacks hat Thüringen bereits angeschafft, allerdings nur zu Schulungszwecken. Denn der Umgang mit den Medipacks muss traniert werden. Damit im Ernstfall, wie etwa in Gotha, die Polizisten den verletzten und blutenden Kollegen schnell helfen können.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 14. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 20:15 Uhr

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28 Kommentare

16.08.2019 17:06 martin 28

@27 mediator: Jetzt kann ich Ihre Äußerung nachvollziehen. Danke für die Klarstellung.

16.08.2019 12:43 Mediator an martin (26) 27

Die Frage bezog sich darauf, welche Maßnahmen ein medizinischer Laie oder Ersthelfer prinzipiell durchführen darf und wo er sich in rechtliche Grauzonen bzw. in den Bereich der Strafbarkeit begibt, wenn Maßnahmen anwendet, die er z.B. als Soldat im Rahmen der Ausbildung zum Einsatzersthelfer-A gelernt hat.

Hierzu gehört z.B. die Gabe dieses Breitbandantibiotiks (falls man es zur Hand hat) oder die Blutstillung mit QuickClot.

Ist jetzt aber ziemlich off topic und bezieht sich auf die von Jan-Peter Mock(12) "beworbene" Erste-Hilfe Ausstattung, bei der ich leichte Bauchschmerzen für den Alltag jenseits von Einsatz und Survivaltour hatte.

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