Soforthilfe für Unternehmen Etwa 31.000 Anträge auf Corona-Hilfe aus Thüringer Wirtschaft

Tausende Unternehmen und Selbstständige haben in Thüringen aufgrund der Corona-Pandemie bereits Anträge auf Soforthilfe gestellt. Betroffenen berichten von einer zügigen Bearbeitung und Auszahlung.

Ein Schild mit der Aufschrift «50% extra» ist kurz nach Ladenschluss an einem geschlossenen Geschäft zu sehen.
Seit fast zwei Wochen haben in Thüringen tausende Geschäfte, Cafés und Gaststätten geschlossen. Die Unternehmer und Selbstständigen können bei der Thüringer Aufbaubank Anträge auf Soforthilfe stellen. Bildrechte: dpa

Bis Montagmittag sind bei der Thüringer Aufbaubank (TAB) etwa 31.000 Anträge auf Unterstützung über das Corona-Soforthilfe-Programm des Freistaates Thüringen eingegangen. Wie Maret Montavon, TAB-Sprecherin, MDR THÜRINGEN sagte, seien davon etwa 6.000 schon bearbeitet. Die meisten Anträge kamen von kleinen Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten oder Einzelunternehmern, die 9.000 Euro Einmalzahlung erhalten können, sagte die Sprecherin. 15.000 Euro sind es bei bis zu zehn Beschäftigten, 20.000 bei bis zu 25 Mitarbeitern. 30.000 Euro können Unternehmen mit 26 bis 50 Beschäftigten erhalten. Ein Teil der Anträge wurde dabei von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern bearbeitet und korrigiert an die TAB weitergeleitet.

Corona-Hilfe landete schnell und unproblematisch auf dem Konto

Eine der Betroffenen, die schon finanzielle Unterstützung erhalten haben, ist Maritta Lobers. Die Friseur-Meisterin aus Weimar ist mit der Soforthilfe zufrieden. Am 23. März habe sie das Formular ausgedruckt, ausgefüllt und per Post zur Aufbaubank geschickt. Am 3. April sei der Zuschuss auf dem Konto gelandet. "Und am 4. April kam der Bescheid", sagte Lobers. Seit 2012 betreibt sie mit zwei Mitarbeiterinnen in Weimar das "Haarinstitut", spezialisiert auf den Zweithaarbereich. Zu ihren Kunden gehören auch Krebspatienten, die aufgrund einer Chemotherapie eine Perücke brauchen.

Mit dem Erlass des Gesundheitsministeriums vom 19. März habe sie das Geschäft schließen müssen - mit der Ausnahme, dass Perücken, die medizinisch notwendig sind, weiter hergestellt werden können. "Wir wissen, dass Krebspatienten gefährdet sind und passen besonders auf", sagt Lobers. Es werde umfangreich desinfiziert, Lobers trage Schutzkleidung und Maske bei der Arbeit. Auch bestehe die Aussicht, dass ihre Mitarbeiterinnen nach den Osterferien zu Trainingszwecken zurückkehren könnten. Die Landeshilfe sei über ein verständliches Formular zügig zu beantragen und helfe, weiterlaufende Kosten zu decken - aus anderen Bundesländern höre sie weniger Erfreuliches.

Kurzarbeit ist in der Branche häufig, oft auch Kurzarbeit null.

Dirk Ellinger, Dehoga-Geschäftsführer

Lob für die zügige Abwicklung kommt auch vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Thüringen, der etwa 1.200 Betriebe aus Hotel- und Gaststättengewerbe vertritt. "Kurzarbeit ist in der Branche sehr häufig, oft auch Kurzarbeit null", sagt Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger. Er gehe davon aus, dass die meisten der etwa 5.000 Betriebe in Thüringen inzwischen Hilfe beantragt haben. "Wir hören, dass die Auszahlungen Stück für Stück vorankommen." Aus seiner Sicht ist wichtig, den Betrieben schnell den Weg aus der Krise zu zeigen. Bei vielen Betrieben komme in normalen Jahren in den Osterferien durchaus sechs bis acht Prozent des Jahresumsatzes zusammen, die fielen in diesem Jahr aus.

In Familienbetrieben wird jeder Umsatz gebraucht

Der Verband habe eine Reihe von Handreichungen angefertigt, um etwa mit Vermietern wegen der Stundung der Miete ins Gespräch zu kommen. In familienbetriebenen Gaststätten beobachte der Verband nun die Tendenz, zumindest auf Lieferservice auszuweichen, um einen kleinen Umsatz zu erreichen - denn bei mitarbeitenden Angehörigen könne man sich nicht auf Kurzarbeitergeld zurückziehen. "Da wird jeder Umsatz gebraucht", sagte Ellinger.

Antrag auf Kurzarbeit.
In vielen Hotels und Gaststätten arbeiten die Mitarbeiter derzeit kaum oder gar nicht. Bildrechte: imago images/foto2press

IHK-Mitarbeiter freiwillig am Wochenende im Einsatz

Derweil halten sich die Nachfragen der Antragsteller bei der TAB offenbar in Grenzen: Meist haben die Antragsteller bei den Angaben der IBAN für die Überweisung eine fehlerhafte Angabe ausgemacht. Die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera (IHK) etwa hat zur Bearbeitung der ersten Antragswelle etwa ein Dutzend Mitarbeiter abgestellt. "Die arbeiten sogar freiwillig am Wochenende", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Höhne. Etwa 3.700 der insgesamt etwa 31.000 Anträge seien bei seiner Kammer eingegangen - mehr als die Hälfte davon ist inzwischen bearbeitet und an die TAB weitergeleitet. "Und das betrifft auch Selbstständige, die gar nicht zu unseren Mitgliedern gehören", weiß Höhne.

Inzwischen sinkt nach TAB-Angaben die Zahl der Fehler in den Formularen durch ein verändertes Antragsformular auf der Internetseite. Eine Eingangsbestätigung gibt es nicht - auf die hat man zugunsten eines höheren Arbeitstempos verzichtet. Übrigens sind auch Rückforderungen möglich: Nach Abschluss der "Auszahlungswelle" würden die Anträge stichprobenartig gründlich geprüft.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. April 2020 | 09:00 Uhr

1 Kommentar

beyer vor 33 Wochen

Nach 10 Tagen sind schon 3000 Anträge bearbeitet. Heißt in 40 Tagen könnte alles abgearbeitet sein...

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