Thüringen Herbstbelebung: 3.300 Arbeitslose weniger im September

Die Zahl der Arbeitslosen in Thüringen ist im September gegenüber dem Vormonat deutlich gesunken. Der "Vor-Corona-Status“ auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch noch nicht erreicht. Die Arbeitsagentur blickt diesen Monat auch auf 30 Jahre Wiedervereinigung.

Fahnen der Agentur für Arbeit
Der Arbeitsmarkt in Thüringen zeigte sich im September in besserer Verfassung. Die Folgen der Corona-Pandemie sind aber weiterhin spürbar. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der Arbeitsmarkt in Thüringen hat sich in der Corona-Krise weiter stabilisiert. Nach Angaben der Landesarbeitsagentur waren im September 68.100 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 3.300 weniger als im August. Die Arbeitslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent.

Kommt Thüringen mit blauem Auge aus der Krise?

Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt-Thüringen, sprach von der typischen Herbstbelebung. Nach der Sommerpause seien wie in normalen Jahren neue Stellen besetzt worden. Zudem seien junge Menschen in ihre Ausbildungen gestartet. Nach aktuellem Stand komme Thüringen mit einem blauen Auge aus der Krise. Laut Behrens wird es aber einige Zeit brauchen, bis der "Vor-Corona-Status“ auf dem Arbeitsmarkt wieder erreicht ist.

Gera mit höchster Arbeitslosenquote in Thüringen

Mit einer Quote von 8,5 Prozent bleibt Gera weiter Schlusslicht in Thüringen. Die wenigsten Arbeitslosen - landesweit - sind mit 4,1 Prozent im Kreis Hildburghausen gemeldet. Die Zahl der Arbeitslosen, die wegen der Corona-Pandemie zwischen März und September arbeitslos wurden und dann nicht in einen neuen Job vermittelt werden oder eine Qualifizierung nicht antreten konnten, liegt aktuell bei knapp 13.300.

Die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit ist im September deutlich zurückgegangen. Von März bis August gingen in Thüringen insgesamt 27.300 solcher Meldungen ein. Dahinter standen knapp 313.200 Beschäftigte. Im September gab es nur noch 180 neue Anzeigen für insgesamt 2.700 Beschäftigte.

Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im September 2020 bei 87.600 Das waren knapp 3.200 weniger als im August und 6.700 mehr als im Vorjahresmonat. In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind.

Thüringens Arbeitsministerin Werner zuversichtlich

Arbeitsministerin Heike Werner zeigte sich angesichts der gesunkenen Arbeitsmarktzahlen zuversichtlich, dass im Oktober die Sechs-Prozent-Marke unterschritten werden kann. Die Wirtschaft ziehe in vielen Bereichen wieder an, auch wenn Thüringen im Automobilsektor die Auswirkungen eines Strukturwandels verkraften muss, sagte Werner.

Auch IHK-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Haase-Lerch äußerte sich erfreut. Sie geht davon aus, dass die Regeln zur Kurzarbeit weiterhin eine stabilisierende Rolle spielen. Um den Arbeitsmarkt langfristig zu stabilisieren, sollten die Firmen jedoch durch flexiblere Arbeitszeitregeln oder ein gelockertes Befristungsgesetz unterstützt werden.

Kritik vom DGB mit Blick auf Automobilbranche

Der DGB Hessen-Thüringen kritisiert, dass viele Produktionsstandorte in der Automobil- und Zulieferindustrie keine eigenen Entscheidungsstrukturen hätten. Es bestehe daher die Gefahr, dass sich Eigentümer aus anderen Regionen bei Sanierungs- und Investitionsentscheidungen gegen die Thüringer Standorte entschieden, erklärte DGB-Chef Michael Rudolph.

Bilanz nach 30 Jahren Wiedervereinigung

Die Landesarbeitsagentur zog am Mittwoch auch Bilanz der Arbeitsmarktentwicklung in Thüringen seit der Wende. Nach 30 Jahren sei man auf einem guten Weg, hieß es bei der Vorlage eines Sonderberichtes - auch wenn die Zahlen jahrelang einer Berg- und Talfahrt glichen.

Dem Bauboom der Wendezeit folgte die Abwanderung vieler junger Menschen Richtung Westen. Der Höchste Wert der Arbeitslosenzahlen lag den Angaben zufolge zwischen 1997 und 2005. Seitdem fällt die Kurve stetig. Harz IV sorgte in der Statistik für einen Knick nach unten. Zudem ist die Zahl der Renteneintritte seit einigen Jahren groß; auch das sorgt für weniger Arbeitslosigkeit.

DGB: Beschämende Lohnlücke zwischen Ost und West

Thüringens DGB-Chef Michael Rudolph bezeichnete die Lohnlücke, die auch nach 30 Jahren Deutsche Einheit weiter zwischen Ost und West klaffe, als "beschämend". Das Lohnniveau liege in Thüringen immer noch um rund ein Fünftel unter dem des Westens. Nur jeder fünfte Betrieb zahle Tariflöhne und nicht mal jeder zweite Beschäftigte sei von einem Tarifvertrag geschützt. Arbeitsagenturchef Behrens sieht 30 Jahre nach der Einheit die Fachkräftesicherung vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung als dringliche Aufgabe an.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. September 2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Paul Johannes vor 3 Wochen

Es wäre interessant bei diesen Statistikmeldungen, die jeden Monat veröffentlicht werden nicht immer nur 1 Tortenstück präsentiert zu bekommen, sondern den gesamten Kuchen. Also o.g. ALG1 Empfänger, dazu bitte die Zahl der Unterbeschäftigten, dazu die Zahl der Kurzarbeiter und dann bitte noch die Zahl der ALG2(Hartz4) Empänger. Dann wäre die aktuelle Lage Im Beschäftigungsmarkt erst vollständig abgebildet. Eine bloße Darstellung der ALG1 Empfänger ist wenig hilfreich.Klar diese Daten zu bekommen erfodert etwas mehr Azfwand wäre aber sehr wichtig. DANKE.

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo Paul Johannes,
weitere Infos finden Sie hier:
https://www.mdr.de/thueringen/th-thema-arbeit-arbeitsmarkt-100.html

Kolo78 vor 3 Wochen

Die Wirtschaft zieht an ... auch die Preise! Na ja, Geld ist ja genug da?! *lol*

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