Folgen von Corona Drastischer Anstieg von Kurzarbeit in Thüringen

Im aktuellen Bericht zum Arbeitsmarkt in Thüringen sind die Auswirkungen des Coronavirus noch nicht berücksichtigt. Entsprechend moderat fallen die Zahlen aus. Fest steht allerdings jetzt schon: Die Anzeigen für Kurzarbeit gehen deutlich nach oben.

Ein Mann geht an dem Logo der Agentur für Arbeit vorbei.
Arbeitsagentur in Schmalkalden (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Die Anzeigen für Kurzarbeitergeld in Thüringen sind drastisch gestiegen. Laut Landesarbeitsagentur schnellte die Zahl im März auf 16.600 hoch. Betroffen sei damit etwa jedes vierte Unternehmen. Vor allem Ende des Monats gingen sehr viele Anzeigen ein. Wie viele Arbeitnehmer davon betroffen sind, wird erst die detaillierte Statistik im April zeigen. Im gesamten Vorjahr gab es lediglich 650 Anzeigen in Thüringen. Besonders betroffen sind die Branchen Einzel- und Kfz-Handel, Hotel- und Gastronomie, Bauinstallation sowie Gesundheitswesen.

Angesichts der Corona-Krise wird mit einem deutlichen Abschwung auf dem Thüringer Arbeitsmarkt gerechnet. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Wochen steigen wird und dass auch mehr Menschen Leistungen der Grundsicherung beantragen", sagte Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen am Dienstag. Umso länger die Krise dauere, desto stärker seien die Auswirkungen zu spüren.

Arbeitsmarktzahlen bis Mitte März

In der aktuellen Statistik für den Monat März machen sich die Auswirkungen infolge des Coronavirus noch nicht bemerkbar, da die Daten bis zum 12. März erhoben wurden. Bis dahin sank die Arbeitslosigkeit sogar. Demnach waren in Thüringen 60.000 Frauen und Männer ohne Job - 2.200 weniger als im Februar und rund 1.500 weniger als im März 2019. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,4 Prozent.

"Die Lage hat sich völlig verändert"

Die Folgen der immensen Einschränkungen werde man erst in der April-Statistik spüren, sagte Behrens. Bis Mitte März habe der Arbeitsmarkt saisontypisch an Fahrt aufgenommen. Erst danach seien das gesellschaftliche Leben und die Wirtschaft durch die Schutzregeln stark heruntergefahren worden.

Durch die Corona-Krise habe sich die Lage völlig verändert, so Behrens. Er begrüßte, dass viele Unternehmen an ihren Mitarbeiten festhalten wollten und die Zeit mit Kurzarbeit zu überbrücken versuchten. Allerdings werde es nicht allen gelingen, den Einbruch zu kompensieren.

Tausende Thüringer in Kurzarbeit

Logo des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB auf Hauptgebäude in Berlin
Logo des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB auf Hauptgebäude in Berlin. Bildrechte: IMAGO

Der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sagte, Kündigungen müssten unbedingt vermieden, Betriebe erhalten werden. Nötig sei aber auch die Einkommenssicherung der Arbeitnehmer. Bei Kurzarbeit falle mindestens ein Drittel des Einkommens weg.

Damit vor allem Beschäftigte im Niedriglohnbereich nicht in existenzielle Nöte gerieten, sei eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nötig. Die DGB-Gewerkschaften wollten das mit den Arbeitgeberverbänden tariflich vereinbaren. Sollte das nicht funktionieren, sei die Politik gefordert, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent aufzustocken.

Rudolph: "Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Die Unternehmen werden zu 100 Prozent von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet. Dann muss davon auch die Hälfte an die Beschäftigten weitergegeben werden."

Lebensmittelbranche und Landwirtschaft profitieren

Laut Markus Behrens haben Arbeitsagenturen und Jobcenter auf Krisenbetrieb umgestellt, um sich auf Kurzarbeitergeld und die Bearbeitung von Leistungen zu konzentrieren.

Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen
Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen Bildrechte: Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen

Neben den Branchen, die von der Krise besonders schwer betroffen sind, gebe es auch Profiteure - etwa die Lebensmittelbranche oder die Landwirtschaft. Dort gebe es gegenwärtig viele Aufträge und eine hohe Nachfrage an Personal. "Die Änderung der Hinzuverdienstmöglichkeiten von Kurzarbeitern, die jetzt in systemrelevanten Branchen anrechnungsfrei einen Nebenjob beginnen können, könnten dabei helfen, die Personalnachfrage zu entspannen", sagte Behrens.

Mehr Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. März 2020 | 11:00 Uhr

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